Warum Liebe stirbt

5. Beziehungskiller: Manipulation und Machtspielchen

Ihre Partnerin kritisierte Sie vor einer Weile dafür, dass Sie sich nicht ums Auto und die Urlaubsvorbereitungen kümmern? Sie basteln daraus eine Machtdemonstration und »vergessen« ganz bewusst, Ihre gebuchten Flüge bestätigen zu lassen. Sie »verschwitzen« den TÜV-Termin. Rufen das Hotel nicht zurück, um die Zimmerreservierung zu bestätigen. Und statt Ihre Finanzen gemeinsam zu ordnen, sorgen Sie für noch mehr Verwirrung und beginnen, an Ihrer Frau herumzunörgeln, weil sie angeblich zu teuer einkauft (was natürlich nicht wahr ist). Statt auf sie einzugehen und ihr zu zeigen, dass Sie für sie da sind, machen Sie sich darüber lustig, dass sie sich mit ein paar läppischen Urlaubsvorbereitungen überfordert fühlt, kommen abends noch später nach Hause und zeigen ihr die kalte Schulter. Warum? Weil Sie es können ? und weil Reiter Nr. 5 Ihnen einredet, das sei in Ordnung so.

Eine Variante der Machtdemonstration: längst gelöste Probleme und uralte Konflikte aus dem Keller holen. Sie haben Ihre Frau vor Jahren einmal betrogen? Die Geschichte ist ausgestanden und verziehen? Denkste. Der fünfte Reiter wird Ihre Frau dazu bringen, Ihnen brandaktuell diese alte Kamelle vorzuwerfen und sie als Beweis für Ihre vermeintliche Illoyalität und Charakterschwäche benutzen. 

Nun ist es grundsätzlich nicht schlimm, ab und zu das Ego zu pflegen, schlecht drauf zu sein, über alte Krisen nachzudenken oder Verpflichtungen schleifen zu lassen. Wenn Sie es jedoch als trotzige Machtdemonstration tun, signalisieren Sie Ihrem Partner: »Unser Wir ist mir völlig egal, ich will dir nur noch wehtun.« Sind Sie beide erst einmal in dieser Phase angelangt, wird es allerhöchste Zeit, das Ruder herumzureißen und die Liebe zwischen Ihnen wiederzubeleben. 

Das Ende?

Sie haben es nicht getan. Nicht geredet, nicht gekämpft, nicht verziehen, sich nicht mehr angenähert. Auch die fünf Reiter haben das Schlachtfeld verlassen, es gibt nichts mehr zu zerstören. Die Liebe liegt in Trümmern. Gottmann teilt dieses Endstadium in vier Phasen auf. In Phase 1 drücken akute Probleme auf die Stimmung, Sie verfallen in Aktionismus und wollen etwas verändern, wissen aber nicht mehr wie. Phase 2 ist die Resignationsphase, in der Sie sich mit dem Ist-Zustand abfinden und nichts mehr ändern wollen. In Phase 3 wenden Sie sich von Ihrem Partner ab und beginnen, nur noch nebeneinander her zu leben. Was in Phase 4 zur innerlichen Kündigung der Beziehung führt. Sie bewohnen vielleicht noch dasselbe Haus, fühlen sich aber durch nichts mehr miteinander verbunden ? nicht einmal mehr durch Streitgespräche. Und dabei sehnen Sie beide sich so sehr nach Nähe, Liebe und Zärtlichkeit ...

Wie gut, dass es für Sie noch nicht zu spät ist! Kehren wir noch einmal an den Anfang zurück, als der erste apokalyptische Reiter Kritik herantrabte und sich wichtig machen wollte. 

7) Warum ticken glückliche Paare anders?

Wie gehabt: Urlaubsvorbereitungen, Stress, TÜV fürs Auto überfällig, Überstunden und finanzielle Bedenken. Sie kommen nach Hause, wieder einmal viel zu spät, und das Auto war immer noch nicht beim TÜV. Ihre Partnerin macht Ihnen keine Vorwürfe, sondern freut sich, dass Sie da sind. Weil sie weiß, dass Sie nur deshalb so viel arbeiten, damit Sie sich den gemeinsamen Urlaub leisten können, auf den Sie beide sich schon so lange freuen. Sie bewertet Ihr Handeln also positiv und wohlwollend. 

Sie wiederum finden es herrlich, dass Sie sich nicht um Flugbuchungen, Reiserücktrittsversicherungen, Hotelvergleiche und anderen Kleinkram kümmern müssen, sondern den Kopf frei für Ihre Arbeit haben und am Urlaubstag nur noch den gepackten Koffer zu schnappen und in den Flieger zu steigen brauchen. 

Es kommt zu keinem aggressiven Wortwechsel, sondern Sie setzen sich zu ihrer Frau an den PC und schauen sich an, welche Hotels sie in die engere Wahl genommen hat. Die Nebenkriegsschauplätze werden gar nicht eröffnet. Die Stimmung bleibt friedlich, positiv ? warum? Weil Sie einander mit Wohlwollen betrachten. Schuldzuweisung, Angriff, Verteidigung, Beleidigung, Rückzug und Machtdemonstrationen können nicht stattfinden, weil der Weg dorthin versperrt ist. 

Gehen Sie davon aus, dass Ihr Partner nichts tut, um Sie bewusst zu kränken, zu verletzen oder Ihnen zu schaden. Und dass er ein ebenso großes Bedürfnis nach Harmonie und Geborgenheit verspürt wie Sie. Suchen Sie bei Problemen nicht sofort nach Charakterfehlern und böswilligen Versäumnissen, sondern betrachten Sie zuerst die äußeren Umstände, unter denen es zu der misslichen Lage kommen konnte. Vielleicht kann Ihr Partner ja gar nichts dafür? Spielen Sie nicht bei jeder Kleinigkeit den unverstandenen, sterbenden Schwan, sondern beweisen Sie Kumpel-Qualitäten. So nehmen Sie Auseinandersetzungen die Schärfe, Ihrem Kommunikationsklima aber nicht die Würze!

Streitereien gehören zu jeder guten Partnerschaft und sind unvermeidlich, wenn Sie sich als Paar weiterentwickeln wollen. Ohne Reibung keine Wärme. Konflikte zu unterdrücken wäre unsinnig. Aber es liegt an Ihnen, ob Sie aus einer Meinungsverschiedenheit eine Katastrophe und aus einer kleinen Verstimmung eine existenzielle Krise machen. 

Leider gehört es in unserer Gesellschaft zum Zeitgeist, hinter jedem Busch einen Vergewaltiger und hinter jedem Streit eine Ehekrise zu vermuten. Wir sind geradezu paranoid darauf bedacht, uns in alle Richtungen abzusichern und jede kritische Situation sofort doppelt und dreifach zu hinterfragen. Wir haben verlernt, es einfach mal gut sein zu lassen und das Positive an unserem Gegenüber zu sehen. Das wirkt sich auch auf die Liebe aus. 

Lernen Sie, Ihren Partner als Gesamtkunstwerk anzunehmen und all seine Persönlichkeitsfacetten in einem positiven Licht zu betrachten. Sagen Sie nicht »ich liebe dich, obwohl« sondern «ich liebe dich, weil«. Der Unterschied ist enorm und trägt zu Ihrem Seelenfrieden bei. Betrachten Sie sich gegenseitig nicht überkritisch, sondern mit den Augen der Liebe ? dann haben die apokalyptischen Reiter bei Ihnen keine Chance!

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