Warum Liebe stirbt

4. Beziehungskiller: Rückzug - Wenn die Liebe eingemauert wird

Sie verstehen die Welt nicht mehr. Statt Liebe, Zärtlichkeit und fröhlichen Gesprächen tauchen in Ihrer Beziehung immer öfter Momente auf, in denen Sie nur noch Ihre Ruhe voreinander wollen.

Dieses Ruhebedürfnis ist nur allzu menschlich. Schließlich sind Sie kampfesmüde, wollen Ihre seelischen Wunden versorgen und nicht mehr streiten. Und Sie sind ja nicht allein: Der vierte apokalyptische Reiter tätschelt Ihnen dabei die Wange und reicht Ihnen genau die Mauersteine, mit denen Sie sich von Ihrem Partner immer weiter abgrenzen können. Ergebnis: dumpfes, lähmendes Schweigen, das sich vermeintlich besser anfühlt als die vorangegangenen tränenreichen, erbitterten Auseinandersetzungen.

Hören Sie bitte auf zu mauern. Schicken Sie den scheinheiligen Untergangsboten dorthin, wo die Sonne nie scheint, und suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner. Es kann sein, dass dieser ebenfalls bereits mit dem liebestötenden Mauerbau begonnen hat und nicht auf Anhieb bereit ist, sich mit Ihnen an einen Tisch zu setzen. Versuchen Sie es trotzdem. 

Machen Sie sich bewusst: Ihr Partner hat sich nicht zurückgezogen, um Sie zu bestrafen, sondern weil er sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Er wünscht sich Nähe zu Ihnen und findet sie nicht mehr. Er möchte keine Verachtung, keine Kritik und keine Verteidigung mehr spüren. Ihr Partner möchte überhaupt nichts mehr spüren. Um diese Empfindungslosigkeit zu erreichen, opfert er sogar das Gefühl der Liebe. Ja, das ist genau so hoffnungslos, wie es sich anhört. Also bauen Sie keine Mauern. Auch wenn die Gleichgültigkeit sich sicher und schützend anfühlt, kämpfen Sie dagegen an, Ihrer Liebe zuliebe. 

Warum Gleichgültigkeit schlimmer ist als Türenknallen

Angenommen, Sie kommen von der Arbeit nach Hause und wollen ? wie so oft in letzter Zeit ? nur Ihre Ruhe. Ihre Partnerin sitzt am PC und unterhält sich via Skype mit einer guten Freundin. Tonfall und einzelne Wortfetzen verraten Ihnen, dass es um ein Frauenproblem geht. Sie beide haben an diesem Tag noch kein Wort miteinander gewechselt. Sie sind auch ganz froh darüber, dass Ihre Partnerin nicht mit Ihnen reden will. So können Sie es sich ungestört mit einem wohlverdienten Bierchen vor dem Fernseher gemütlich machen und den Abend geruhsam ausklingen lassen. 

Falsch gedacht. 

Ihre Partnerin hat gehört, dass Sie nach Hause kamen, beendet schnell das Gespräch mit der Freundin, und Sie begegnen sich in der Küche. 

Statt sich zu umarmen und gegenseitig zu fragen, wie es Ihnen geht, holen Sie nur das Bier aus dem Kühlschrank. Ihre Partnerin steht unschlüssig neben Ihnen. Eine zähe Unterhaltung kommt in Gang, und Sie sprechen über belangloses Zeug. Den kaputten Rasenmäher, einen überfälligen Besuch bei den Schwiegereltern, die nervigen Nachbarn, einen neuen Laptop, die gestiegene Prämie für die Hausratversicherung.

Dass Ihrer Partnerin beim Stichwort Nachbarn das Gesicht buchstäblich einfriert, fällt Ihnen zwar auf, doch Sie gehen nicht darauf ein. Natürlich könnten Sie fragen: »Oh, was ist denn los? Ist etwas passiert?«, doch Sie tun es nicht. Nur kein Problemgespräch riskieren, nur keinen Stress. 

Ihre Partnerin ist mutiger, setzt sich über Ihren Mauerbau hinweg, will sich Ihnen mitteilen und erzählt Ihnen, was vorgefallen ist. Eine Nachbarin spekuliert neuerdings per Hausfrauentratsch über Ihr Beziehungsleben, Ihren Alltag und Ihrer beider Fruchtbarkeit ? und verbreitet auch gleich noch dreiste Gerüchte. »Die beiden haben keine Kinder, sind aber schon fünf Jahre verheiratet, da kann ja etwas nicht stimmen, bestimmt ist einer von beiden unfruchtbar, und sie ist ja auch den ganzen Tag zuhause und arbeitet nichts Richtiges. Bestimmt hat er eine Affäre, und sie ist ja auch so dürr, vielleicht ist sie ja magersüchtig? Oder krank? Man hört ja so viel von Depressionen, und trinken sollen die beiden auch ziemlich viel ...«

Sie bügeln Ihre Partnerin ungeduldig weg mit »lass die blöde Kuh doch tratschen, warum nimmst du das überhaupt ernst? Da solltest du wirklich drüber stehen, für so einen Mist hab ich keinen Nerv« und wollen sich zurückziehen. Ihre Frau bricht in Tränen aus. Weil es weniger um das respektlose Gerede der tratschenden Nachbarin geht, als darum, dass Sie die Befindlichkeiten Ihrer Partnerin nicht ernst nehmen. 

Sie fühlt sich von Ihnen verraten und allein gelassen. Ein schlimmes Gefühl. Und Sie setzen noch einen drauf. Statt sie in die Arme zu nehmen und zu trösten, stehen Sie da, schauen verständnislos, rollen genervt mit den Augen oder eilen wortlos aus der Küche. Spiel, Satz und Sieg für den vierten apokalyptischen Reiter

Mal ganz ehrlich: Gehen Sie vielleicht einer Diskussion über Ihre Kinderwünsche aus dem Weg? Möchte Ihre Partnerin schon seit einiger Zeit gerne schwanger werden, und Sie drücken sich vor einer Entscheidung? Ist die berufliche Situation bei Ihnen problembehaftet? Schrammt Ihre Frau an einer Depression vorbei? Oder gibt es tatsächlich eine potenzielle Nebenfrau bei Ihnen, und die Nachbarin hat bei ihrem übergriffigen Geläster wie das berühmte blinde Huhn ein Korn gefunden?

Holen Sie noch ein zweites Bier aus dem Kühlschrank, lassen Sie den Fernseher aus und setzen Sie sich zusammen. Sofort. Wenn erst einmal Tränen fließen und das Gefühl des Verlassenwerdens sich einstellt, hat der vierte apokalyptische Reiter mit seinem Mauerbau voll zugeschlagen. Diese Mauern müssen Sie einreißen, wenn Sie Ihre Beziehung retten wollen! Tasten Sie sich im Gespräch vorsichtig an die Themen, die Sie beide belasten, oder vor denen Sie bisher die Augen verschlossen haben. Und wenn Sie Mauern bauen, dann bauen Sie diese nicht jeder um sich allein, sondern um Sie beide, damit Sie sich vor Angriffen von außen schützen können!

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