Warum Liebe stirbt

3. Beziehungskiller - Verachtung als leises Beziehungsgift

Eine alltägliche Szene. Sie und Ihr Schatz wollen ausgehen. Auf die Piste, zu einer Party oder aufs Volksfest. Sie hübschen sich auf, kleiden sich an und unterhalten sich.

Er: »Schatz, in diesen Jeans wirkt dein Arsch so gewaltig, da kriegt selbst der Kölner Dom Minderwertigkeitskomplexe!« 

Sie: »Keine Sorge, der sieht das gar nicht, dein Waschbeckenbauch wirft nämlich einen riesigen Schatten über die ganze Stadt.«

Er: »Na, was für ein Glück, dann brauche ich keine Sonnenbrille!«

Sie: »Das würde ich nun so nicht sagen. Oder wolltest du dir die Augenringe lieber wegschminken? Ich leih dir gern meinen Concealer.«

Er: »Ich glaube, da bleibt nichts übrig, wenn du erstmal mit deiner Kriegsbemalung fertig bist. Vielleicht versuchst du es lieber mit der Spachtelmasse aus dem Baumarkt? Die glättet tiefe Furchen und Rillen ganz vorzüglich.«

Sie: »Ja, das dachte ich auch. Aber warum macht sie das nicht an der Küchenwand, obwohl du schon eine Woche lang damit rumlaborierst?«

Ob auf diesen Wortwechsel ein Mordversuch oder ein gemeinsamer Lachkrampf folgt, hängt stark davon ab, ob der dritte apokalyptische Reiter als Souffleur mitwirkt. Bei einem Paar, das den Finsterlingen keinen Zutritt gewährt, kann so eine deftige Frotzelei harmlos und spaßig sein, wird mit einem Klaps auf den Po und einem Kuss beendet, und ab geht`s ins Nachtleben. Schließlich ist ziemlich offensichtlich, dass es sich hierbei nicht um ernst gemeinte Angriffe, sondern um gnadenlos übertriebene Superlative mit Sitcom-Charakter handelt.

Genau hier outet sich der dritte apokalyptische Reiter: Er hat absolut keinen Humor. Verachtung und Humor schließen sich gegenseitig aus!

Wenn solche maßlosen Übertreibungen ernsthaft und mit schneidendem Unterton vorgetragen werden, tun sie weh. Dann handelt es sich nicht um alberne Scherze, sondern um gezielte Verletzungen und verbale Schläge unter die Gürtellinie. Vielleicht hat Ihre Partnerin tatsächlich das Gefühl, ihr Po sei zu dick? Oder fühlt sich unattraktiv wegen einiger Sorgenfalten? Und ist sauer, weil Sie schon viel zu lange eine Baustelle in der Küche kultivieren, statt die Wand fertig zu verputzen? 

Und wieder zeigt sich das Phänomen des Nebenkriegsschauplatzes. Speckröllchen oder Heimwerker-Pannen sind lästig, aber keine ernsthaften Probleme. Sie werden es aber, wenn dahinter ein Gefühl der Unzulänglichkeit steht. Verbannen Sie ganz bewusst Zynismus, Ironie und Sarkasmus aus Ihrer Kommunikation und versuchen Sie, so unverfälscht und schlicht wie nur möglich miteinander zu reden. Verzichten Sie auf missverständliche Metaphern und Wortwitze. Treiben Sie keine allzu derben Scherze. Das dürfen Sie, wenn Sie wieder gelernt haben, die Grenze zwischen lustig und verächtlich zu spüren.

Der gute Ton ist keine Nebensache!

Rutscht Ihnen manchmal Ihrem Partner gegenüber eine Bemerkung heraus, die Sie niemals bei einem Kollegen oder guten Freund über die Lippen bekämen? Etwas wie »lass mich doch in Ruhe« oder »halt doch verdammt noch mal endlich die Klappe« klingt so grob und lieblos, dass es einem beim Lesen kalt wird. Umso erschreckender ist es, dass der dritte apokalyptische Reiter genau solche Sprüche im Kampfgepäck mitbringt.

Solch verächtliche Fragmente in der Kommunikation sorgen dafür, dass die Höflichkeitsgrenze, an der man den Respekt zweier Menschen voreinander ablesen kann, stückchenweise immer tiefer sinkt. Mit der Zeit verlieren Sie jede Beißhemmung und werfen sich immer üblere Beleidigungen an den Kopf. Die Wirkung ist fatal. 

Abgesehen von der situationsbezogenen Herabwürdigung und Verletzung entwickeln solche Vulgaritäten auch einen »Nachbrenner«, der die Verachtung nie ganz verschwinden lässt. Sie schwelt im Untergrund und manifestiert sich immer häufiger in vermeintlichen Kleinigkeiten: Augenrollen, Kopfschütteln, ins Wort fallen, Sticheleien vor Dritten, schnippische Bemerkungen und immer wieder Kraftausdrücke, respektlose Beschimpfungen, mitten im Gespräch das Thema wechseln oder dem Partner brüsk den Rücken zu wenden, während er sich Ihnen mitzuteilen versucht ...

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Keine Angst, es ist noch nicht zu spät. Wenn Sie erst einmal aufmerksam genug sind, die apokalyptischen Reiter zu identifizieren, können Sie sie auch aus Ihrer Kommunikation verjagen und wieder zu einem liebevollen Umgang zurückfinden. Versuchen Sie es auf jeden Fall. Die Alternative wäre wirklich traurig. Wüten nämlich die drei Reiter Kritik, Verteidigung und Verachtung Seite an Seite in Ihrem Beziehungsleben, dann wird es schwer, den vierten berittenen Übeltäter aufzuhalten. Die ersten drei haben sozusagen den Weg bereitet für punktgenaue Zerstörungsmaßnahmen, mit denen Ihre Liebe weiter geschwächt und perforiert werden kann. 

Besonders hinterhältig: Der vierte Reiter sieht gar nicht aus wie einer. Er wirkt im Gegenteil wie gesunder Selbstschutz und fühlt sich auch so an. Dabei leitet er die finale Zerstörung Ihrer Liebe ein, wenn Sie nicht aufpassen!

« zurück weiter »

Zum Artikel gehört auch...

Artikel Bewerten ...

Nur eingeloggte Benutzer dürfen Artikel bewerten.

Diesen Artikel ...
Kommentieren (0)
Artikel merken

Kommentare (0)

bisher keine Kommentare
Neueste Kommentare zuerst Älteste Kommentare zuerst
Diskutieren Sie über diesen Artikel