Erfolgreiche Partnersuche

Erfolgreiche Partnersuche – Eine Frage der Schönheit?

»Nicht die Schönheit entscheidet, wen wir lieben. Die Liebe entscheidet, wen wir schön finden!« Die legendäre Filmschönheit Sophia Loren sagte das, und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Warum maßen wir es uns dennoch immer wieder an, Menschen in »schön« und »hässlich« einzuteilen? Und wo genau verläuft die Grenze? Lässt sich diese überhaupt objektiv festlegen?

Fakt ist: Schöne Menschen haben es leicht im Leben. Sie werden als intelligenter, erfolgreicher und liebenswerter eingeschätzt als vergleichsweise »hässliche« Menschen, bekommen bessere Schulnoten, finden leichter Anschluss und werden im Job besser bezahlt. 

Schönheit ist sogar etwas, das wir von unseren Mitmenschen fordern. Laut einer aktuellen Umfrage des Magazins »Spiegel« unter 1.500 Männern und Frauen von 14 bis 91 Jahren erwarten 71 aller Befragten, dass ihr Partner hübsch ist bzw. gut aussieht. 72 Prozent fordern außerdem einen schlanken Körperbau, und weitere 71 Prozent wollen, dass sich ihr Partner modisch kleidet. 

Sind wir arrogant – oder einfach ehrlich?

Unser Sozialleben funktioniert ein wenig wie in der Werbung: Die äußere Verpackung entscheidet über Impulskäufe, respektive spontane Zuneigung. Ob bei Mobiltelefonen, Wein, Shampoo oder Schokolade. Doch was, wenn man einmal den faden, klebrigsüßen Geschmack einer schick verpackten, viel zu teuren Schokolade auf den Geschmacksknospen hatte? Falls Sie das Gefühl kennen, dann kennen Sie auch den Unterschied zwischen Schnickschnack und echter Qualität. Und greifen lieber zum leckeren Bio-Vollmilch-Nuss-Bruch, der ganz schlicht in Klarsichtfolie eingewickelt ist. Ohne bunte Bildchen, Aufkleber und flotte Sprüche. Warum findet dieses Prinzip bei der Partnersuche so selten Anwendung? Warum sind wir hier so sehr auf äußere Schlüsselreize statt auf innere Werte programmiert, obwohl wir es besser wissen müssten?

Von wegen uralter Instinkt: Nichts ist flüchtiger als Schönheitsideale!

Die Definition von »schön« hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte gleich mehrmals komplett verändert. Und damit auch der visuelle Schlüsselreiz, der uns auf einen potenziellen Sexpartner anspringen lässt. 

Galt einst bei Frauen die vornehme Blässe als Zeichen für Weiblichkeit und Schönheit, so erklärte man wenige Jahrzehnte später einen braungebrannten Teint zum Ideal, der Wohlstand und Gesundheit verkörpern sollte. Frauen mit einem kleinen Bäuchlein und wenig Muskeln brachten noch im 18. Jahrhundert die Männer um den Verstand, während schlanke, sportliche Frauen keine Chance hatten, als weibliche Wesen von Männern überhaupt wahrgenommen zu werden. Heute ist es umgekehrt: Das Bauchlifting inklusive Fettabsaugung gehört zu den häufigsten Schönheits-OPs, und die berühmt-berüchtigten Crunches zum Pflichtprogramm jeder Frau, die einen sexy Bauch möchte. Denn als sexy gilt nun einmal ein flaches Sixpack, eine schmale Taille und knackig-straffe Oberschenkel. Die Vorstellung, dass früher einmal üppige Kurven und Oberschenkel der Inbegriff der Weiblichkeit waren, scheint da schon beinahe komisch.

Weibliche Schönheit bedeutet also mal sonnengebräunt, mal blass, mal weich gerundet, mal mädchenhaft schlank, mal mit Wallemähne, dann wieder mit kurzem Bubikopf. Gibt es denn keine objektive Formel für Schönheit?

Die Formel für einen schönen Frauenkörper

Einen wissenschaftlichen Versuch, die perfekte Frauenfigur zu definieren, unternahm Martin Gründl vom Lehrstuhl für experimentelle und angewandte Psychologie der Universität Regensburg. Er führte mit seinem Team eine Studie durch, an deren Ende die amtliche »Formel für eine schöne Frauenfigur« stehen sollte.

Hierzu wurden 60.000 Frauen und Männer befragt. Sie sollten anhand von Online-Fragebögen und Bildvorlagen ihre individuellen Vorstellungen von Schönheit detailliert darlegen. Ausgerechnet beim Berliner »Weltkongress der plastischen, rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgie« wurde die Studie dann präsentiert. »Die Formel setzt das Gewicht, die Taillen- und die Hüftbreite sowie die Beinlänge und Oberweite miteinander ins Verhältnis«, erklärt Studienleiter Gründl. 

Das Ergebnis überrascht nicht: Sehr schlanke Frauenkörper mit langen Beinen, großen Brüsten, hohen Wangenknochen und vollen Lippen stehen auf Platz 1 der Schönheitsliste. Sehr zur Freude der über 3.000 Fachärzte, die angesichts der optischen »Unvollkommenheit« der meisten Ottonormalbürger vermutlich in Gedanken fröhlich die Skalpelle sortierten ...

Gleich und gleich gesellt sich gern

Auch wenn immer wieder behauptet wird, dass sich Gegensätze anziehen ? es stimmt einfach nicht, zumindest nicht beim Aussehen. Wir fühlen uns spontan grundsätzlich zu denjenigen hingezogen, die uns optisch ähneln. Dabei geht es nicht unbedingt um Haarfarbe oder Körpergröße, sondern um bestimmte Proportionen. Auch das Aussehen der Eltern spielt zumindest im Unterbewusstsein bei der Partnerwahl eine Rolle. Wir suchen nach Ähnlichkeiten. Klassische »Suchbilder« sind Augenpartie und Mund. Wenn sich hier unser eigenes Gesicht mit dem des neuen Partners wie eine Schablone übereinanderlegen lässt, ist eine gegenseitige sexuelle Anziehung schon fast garantiert. Auch eine Ähnlichkeit der Proportionen von Handgelenken und Händen führt zu spontaner Anziehung. 

Ob daraus später tatsächlich eine feste Beziehung wird, hängt noch von einigen gänzlich unromantischen Faktoren ab. Hier sind wir wieder bei der berühmten Fortpflanzungs-Biochemie. 

Familienglück – oder Sex mit dem schönen Mann?

Beides geht nicht. Sagen zumindest Evolutionsforscher. Umfangreiche Studien belegen, dass Frauen sich zwar gerne leidenschaftlichen Affären und One Night Stands mit Männern hingeben, die dominant, groß und maskulin wirken und bis zu den Haarspitzen voller Testosteron zu sein scheinen. Doch sesshaft werden sie dann doch lieber mit einem lieben, zuverlässigen Gefährten, der sich ideal als Familienvater eignet. Eine Entscheidung, die keineswegs mit dem Verstand, sondern fast ausschließlich via archaischer Prägung getroffen wird. Ein ruhiger, ausgeglichener Mann sieht weniger spektakulär aus, legt kaum Macho-Verhaltensweisen an den Tag, weist weichere Gesichtszüge auf, begeht seltener einen Seitensprung, hat Verantwortungsgefühl und eignet sich mit seinem sanften, verständnisvollen Wesen auch mal als »Ersatz« für die beste Freundin. 

Einziger Haken: Diese Diskrepanz zwischen erotischer Sehnsucht und Realität treibt Frauen die Wände hoch. An den fruchtbaren Tagen kann die Lust auf maskuline, schöne Männer über die Treue zum häuslichen Partner siegen, und Frauen werden nicht nur empfänglich für eine Schwangerschaft, sondern auch verführbar für einen Seitensprung (allerdings nur, wenn sie nicht mit hormonellen Mitteln verhüten). Dieser Trieb entsteht durch einen Hormonüberschuss, der Frauen dazu veranlasst, sich ohne Umschweife auf gute Samenspender-Kandidaten zu stürzen. Da die Vater- und Beziehungsqualitäten dieser Kandidaten leider meist zu wünschen übrig lassen, die Lust aber unendlich groß zu sein scheint, geht man inzwischen von einer Kuckuckskinder-Quote von über 10 Prozent aus ...

Macht Status automatisch schön?

Auf den ersten Blick scheinen sich Männer und Frauen nichts zu schenken: Beide suchen instinktiv nach schönem »Material«, um schöne Kinder zu bekommen. Männer sind ganz klar auf schmales Kinn, volle Lippen und feminine Züge programmiert. Je mehr Östrogen im Körper einer Frau zirkuliert, umso weiblicher und zarter scheint sie nach außen, und umso anziehender wirkt sie auf Männer.

Bei Frauen ist es umgekehrt nicht ganz so einfach. Zwar kennen wir nun die beiden klassischen Männerbilder, einmal den »schönen, markanten testosterongestählten Lover« und den »lieben, treuen und sanften Familienvater«, aber was die Definition von »schön« angeht, scheinen Frauen deutlich flexibler zu sein als Männer. Eine noch nicht bewiesene Theorie behauptet, dass Status und Geld in den Augen vieler Frauen die fehlende Schönheit eines Mannes ganz schön relativieren können. Trotz aller Ironie ergibt das sogar Sinn: Geld, Ansehen und eine abgesicherte Existenz sind schließlich auch fortpflanzungsrelevante Qualitäten, die bei der »Arterhaltung« eine wichtige Rolle spielen.

Einig sind sich die Forscher bei der These, dass ein schönes Gesicht in jedem Fall einen weniger schönen Körper auszugleichen vermag. Dies belegt auch eine Studie der University of Western Australia in Crawley. Von allen teilnehmenden Frauen bewerteten 52 Prozent die Schönheit eines Menschen anhand des Gesichtes, der Körper spielte nur zu 24 Prozent eine Rolle. Bei den Männern verschiebt sich das Verhältnis ein wenig: Hier verteilte sich die Wertung zu 32 Prozent auf den Körper und zu 47 Prozent auf das Gesicht.

Ja, woran erkenne ich denn nun wahre Schönheit?

Ohne allzu esoterisch werden zu wollen, aber wir befinden uns in einer wirklich glücklichen Lage. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren oder anderen Kulturkreisen können wir uns den Luxus leisten, über unsere partnerschaftlichen Bedürfnisse ganz entspannt nachzudenken, ohne dabei permanent an die Erhaltung der Art denken oder gegen wilde Tiere und Kriege kämpfen zu müssen. Die Schönheit unseres Gegenübers wird derzeit so »zweckbefreit« und entspannt erlebt wie niemals zuvor. 

Dies bestätigt eine Studie von Kevin Kniffin (Universität Wisconsin) und David Sloan Wilson (Binghamton-Universität). Sie führten ein dreistufiges Experiment durch, bei dem nicht nur äußere Merkmale, sondern auch Charaktereigenschaften über die Schönheit eines Menschen entscheiden. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sobald die Probanden Gelegenheit bekamen, die zu beurteilenden Menschen näher kennenzulernen, wichen die Definitionen von »schön« und »hässlich« stark vom ersten Eindruck ab. Kriterien wie Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Verlässlichkeit und Intelligenz erhielten mehr Gewicht als die optischen Schönheitsmerkmale.

Innere Schönheit manifestiert sich auch optisch!

»Wer seine Attraktivität erhöhen möchte, sollte sich darauf konzentrieren, ein wertvoller, sozialer Partner zu werden«, empfehlen die Studienleiter Kniffin und Wilson. Ein guter Rat. Wahre Schönheit kommt nicht nur von innen, sie wird auch dort vom Gegenüber unbewusst erkannt und erfühlt. Ein schöner Charakter manifestiert sich in äußerer Schönheit, während eine hinterhältige Persönlichkeit zwangsläufig »hässliche« optische Merkmale hervorruft. Eigentlich eine feine Sache. 

Wir sollten uns demnach weniger aufs Kalorienzählen und Maßnehmen konzentrieren, sondern lieber darauf achten, moralische und ethische Werte zu leben. Eine positive Lebenseinstellung, Freundlichkeit, Verbindlichkeit, Loyalität, Intelligenz, Selbstsicherheit, Hilfsbereitschaft und eine offene, liebevolle Art werden dadurch die Schlüssel zu wahrer Schönheit

Unsere Spione im Dienste der Schönheit sind also keineswegs Idealmaße & Co., sondern Lächeln, Ausdruck, Stimme und Körpersprache. Sie lassen Rückschlüsse auf die wahre Schönheit eines Menschen zu ? und das Feine dabei ist, wir können das kaum steuern. Unsere Augen oder der Klang unserer Stimme verraten ganz von selbst, wie »schön« oder »hässlich« es in unserer Seele aussieht. Oder um es mit einem chinesischen Sprichwort zu sagen: »Die äußeren Werte bestimmen, mit wem wir zusammenkommen. Die inneren Werte bestimmen, mit wem wir zusammen bleiben.«

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