Partnervermittlung oder Singlebörse

Partnervermittlung oder Singlebörse – Wo bin ich richtig?

Kennen Sie noch den Begriff »Eheanbahnungsinstitut«? Dieses wunderliche Wortkonstrukt bezeichnete einst den Vorläufer dessen, was heute Partnerbörse, Partnervermittlung, Singlebörse oder Datingplattform heißt und überwiegend online im Internet stattfindet. Ums Heiraten geht's dabei nur noch sekundär. Im Vordergrund steht die Suche nach Neukontakten, Flirts und Chats, aus denen sich eventuell eine neue Liebe entwickeln kann. Oder eben nur zwangloser Sex.

Die zahllosen Dating-Plattformen weltweit verzeichnen täglich steigenden Zulauf und haben inzwischen mehrere hundert Millionen Mitglieder. Das klingt nach vielen potenziellen Kontakten, vor allem, wenn Sie mehrsprachig im Internet unterwegs sind. Doch so unterschiedlich wie die Namen der Plattformen sind auch die dahinterstehenden Funktionen. Einige sind kostenpflichtig, andere gratis. Bei einigen geht's primär um Casual Sex, bei anderen um reine Freundschaften. Bei manchen kann man aktiv Kontakte knüpfen, andere wiederum übernehmen die Suche für ihre User und präsentieren ausgewählte Kandidaten auf dem Silbertablett. Allen gemeinsam ist, dass sie aufregende Flirts und vielleicht sogar die große Liebe versprechen. Doch welche Dating-Plattform passt zu welchem User? 

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Plattform-Modelle: die Partnervermittlung und die Singlebörse. Beide verfügen über spezifische Vor- und Nachteile, die Sie kennen sollten, bevor Sie sich für eine Anmeldung entscheiden.

Partnervermittlung: seriöse Partnersuche ab 30

Eine seriöse Partnervermittlung eignet sich für alle, die ernsthaft auf der Suche nach einer neuen Liebe sind und sich dabei nicht in die Öffentlichkeit von Chats, Communitys und Foren begeben möchten. 

Sie erkennen die Seriosität schon rein äußerlich daran, dass die Profile der Mitglieder nicht von jedermann einsehbar sind. Das Wort »Vermittlung« ist nicht nur ein Marketing-Versprechen, sondern darf wörtlich genommen werden. 

Zunächst melden Sie sich an. Dann erhalten Sie einen umfangreichen und detaillierten Fragebogen, den Sie vollständig ausfüllen sollten. Je konkreter und ehrlicher Sie hier antworten, desto größer die Chance, einen Partner zu finden, der haargenau zu Ihnen passt. Anhand Ihrer Angaben wird ein individuelles Raster angelegt und der bestehende Mitgliederstamm auf passende Kandidaten durchforstet. Je nach Plattform können es ein paar Hunderte sein! Sie brauchen dabei gar nichts zu tun, diese Arbeit übernimmt der Anbieter für Sie.

Der Vorteil einer Partnervermittlung: Nur Mitglieder, die eine größtmögliche Affinität zu Ihren Angaben aufweisen, kommen in die engere Wahl und werden Ihnen schriftlich vorgeschlagen. Sie können anhand der Angaben und Fotos dann in aller Ruhe entscheiden, wer Ihnen sympathisch erscheint, und ob Sie einen Kontakt wünschen oder ein Treffen vereinbaren möchten. Das Ganze funktioniert nicht öffentlich, sondern äußerst diskret im passwortgeschützten Mitglieder-Bereich. Nur die Kontakte, die Ihnen direkt vom Anbieter vorgeschlagen wurden, können Ihr Profil einsehen und Sie anschreiben – und umgekehrt. Ihre Privatsphäre bleibt dabei gewahrt, es gibt keine ungebetenen virtuellen »Zaungäste«, keine Chats oder Foren, in denen Sie von Unbekannten beobachtet oder kontaktiert werden können. 

Ein zentrales Merkmal der Partnervermittlung ist, dass es fast keine Möglichkeit des Identitäts-Schwindels gibt. Einige seriöse Partnervermittlungen führen bei Neuanmeldungen die freiwillige Verifizierung der Personendaten durch, entweder über das Post-Ident-Verfahren (wie es z.B. Direktbanken bei Neukunden nutzen) oder über das Einsenden einer Ausweiskopie per Fax oder E-Mail. Ihr Singlebörsen-Profil wird nach erfolgreicher Identifikationsprüfung mit einem speziellen Siegel versehen, welches anderen Mitgliedern versichert, dass Sie die Partnersuche ernst nehmen und hinter Ihrem Profil ein realer Mensch steht. Das mag umständlich erscheinen, ist aber sinnvoll. Sie können dadurch sicher sein, nicht an Minderjährige, Prostituierte oder Fake-Identitäten zu geraten.

Die Profilangaben werden übrigens nicht einfach nur per automatischer Stichwortsuche abgeglichen. Hinter der Auswahl steckt ein fein strukturiertes Verfahren, bei dem Ihre Angaben psychologisch ausgewertet, interpretiert und mit denen anderer Mitglieder verglichen werden. So können Sie davon ausgehen, dass sich unter den Vorschlägen kaum »Blindgänger« befinden.

Natürlich gibt es diesen umfangreichen Service nicht kostenlos. Die meisten Online-Partnervermittlungen verlangen einen Pauschalbetrag, der unabhängig von der Anzahl der vermittelten Kontakte erhoben wird und bei Anmeldung zu entrichten ist. Angesichts der relativ hohen Erfolgsquote bei Partnerbörsen kann das aber eine durchaus lohnende Investition sein.

Wer lieber auf eigene Faust in Profilen stöbert, weniger dafür bezahlen möchte und keine Scheu davor hat, sich öffentlich zu präsentieren, ist mit einer Kontaktanzeige in einer Singlebörse besser aufgehoben.

Singlebörse: virtueller Spielplatz ohne Verpflichtung

Hier tummeln sich kontaktfreudige Singles ab 18 ebenso wie gebundene Männer und Frauen auf der Suche nach ein wenig (sexueller) Abwechslung. Die meisten Singlebörsen und Dating-Plattformen sind öffentlich. Vorteil: Mit wenigen Mausklicks können Sie von jedem gewünschten Mitglied Fotos, Videos und Texte abrufen, Kontakt aufnehmen und sich zum Chatten verabreden.

Die Auswahlkriterien sind nicht annähernd so fein gerastert wie bei einer Partnervermittlung, können aber aufmerksamkeitsstark gestaltet werden. Sie beschränken sich auf allgemeine Standards wie Kurzbiografie, Grund der Anmeldung (»ich suche« bzw. »interessiert an«) und eine möglichst aussagekräftige Selbstbeschreibung, damit Sie nicht in der Masse untergehen. Je individueller und kreativer, umso höher der Aha-Effekt beim Besucher – und damit die Erfolgsquote. 

Im Gegensatz zur Partnervermittlung bietet die Singlebörsen wenig Privatsphäre. Sie sollten sich daher in Chats und auf Ihrem Profil ein wenig bedeckt halten und nicht zu freigiebig mit intimen Details oder Fotos sein. Durch die öffentliche Einsehbarkeit können nämlich nicht nur potenzielle Flirtpartner, sondern auch Kollegen, Familienmitglieder oder Ihr Chef Ihre Aktivitäten verfolgen! Faustregel: Geben Sie öffentlich nur soviel von sich preis, wie Sie auch bei einem Blind Date von sich erzählen würden. 

Singlebörsen sind vor allem eines: herrlich praktisch. Sie sind von jedem PC oder mobilen Endgerät aus per einfachem Login erreichbar und erlauben die schnelle, unkomplizierte Kontaktaufnahme mit interessanten Kontakten. Wer Lust hat, ausgiebig in Profilen zu stöbern, Fotos anzuschauen, Einträge zu lesen oder sich in die Kommentarstrecken einzelner Mitglieder einzuklinken und dort zu schreiben, wird garantiert auf interessante Kontakte stoßen. Unterschätzen Sie aber dabei den Zeitaufwand nicht! Gerade weil die Profile so originell und witzig gestaltet werden können, vergehen da schnell mal zwei oder drei Stunden, obwohl Sie nur mal reinschauen wollten. Sie sollten daher diese Aktivitäten keinesfalls im Büro, sondern in Ihrer Freizeit durchführen. Auch für die Pflege und fortlaufende Aktualisierung Ihres Profils sollten Sie ein wenig Zeit einkalkulieren, schließlich wissen Sie nie, wer vorbeischaut.

Für die Anmeldung genügen eine E-Mail-Adresse und ein Phantasiename. Die Personendaten werden zwar erhoben, aber nicht überprüft. Genau hier liegt auch ein Schwachpunkt vieler Singlebörsen. Leider sind sie aufgrund ihrer einfachen Zugänglichkeit auch ein Dorado für einige Pickup-Artists und Fake-Identitäten. Auch wenn viele Betreiber ausdrücklich erklären, solche Mitglieder zu sperren, sobald sie gemeldet wurden – es gibt sie dennoch. Plötzlich entpuppt sich der knackige Single Anfang 30 unter Umständen als verheirateter, übergewichtiger Endvierziger, der sich mit einem uralten Profilfoto präsentiert. Und die angeblich 21-Jährige Studentin mit dem umwerfenden Bikini-Foto ist in Wahrheit ein doppelt so alter männlicher Redakteur, der für ein Boulevardmagazin recherchiert und unter falscher Flagge surft, um Material zu sammeln. Alles schon da gewesen.

Wenn Sie ernsthaft auf Partnersuche sind und ganz sicher sein wollen, nicht an virtuelle Scherzkekse zu geraten, empfiehlt sich auf jeden Fall eine seriöse Partnervermittlung. Wenn Sie aber das Thema eher spielerisch sehen, sich durch den einen oder anderen schrägen Vogel nicht abschrecken lassen und nach Herzenslust flirten wollen, können Sie in einer Singlebörse viel Spaß haben. Spaß macht das Chatten allemal. Und wer weiß: Ein späteres Verlieben ist ja nicht ausgeschlossen ...

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