Partnersuche im Internet

Partnersuche – Kann man im Internet den richtigen Partner finden?

Allein in Deutschland scheinen rund zehn Millionen Menschen davon überzeugt zu sein. So viele Mitglieder verzeichnen derzeit die großen Singlebörsen insgesamt. Dass sich die Suche lohnt, beweist eine aktuelle Statistik: Nach Arbeitsplatz und Freundeskreis rangiert das Internet auf Platz 3 der erfolgreichsten Partnersuche-Gelegenheiten. Erst auf Platz 4 stehen Kneipen und Discotheken.

Im Gegensatz zu Disco und Kneipe gibt's im Internet keine Sperrstunde, keinen ruppigen Türsteher und keine Parkplatzsorgen. Der Boom der Internet-Partnersuche begann nach der Jahrtausendwende, doch seit 2007 wächst der Markt rasant. Am Ende des Jahres 2008 waren in Deutschland ca. sieben Millionen Singles virtuell auf Partnersuche. Alle wollen nur das Eine: den Traumpartner finden. Rein rechnerisch kann es also durchaus sinnvoll sein, sich in diesem Umfeld auf Partnersuche zu begeben. Ausgefeilte Suchraster ermöglichen eine gezielte Suche und filtern die passenden Vorschläge heraus. Wobei »passend« nicht automatisch heißt, dass es passt...

Traumpartner oder Mogelpackung?

Tatjana, 35, kennt beides: »Ich habe mir vorletzten Winter beim Skifahren das Bein gebrochen und musste zwei Monate lang zuhause bleiben. Während dieser Zeit war der Laptop mein Draht zur Außenwelt. Mir fiel die Decke auf den Kopf, und ich meldete mich bei zwei kostenlosen Singlebörsen an. Eigentlich nur zum Spaß, ich suchte nicht ernsthaft einen neuen Partner. Nach ein paar Tagen platzte mein Postfach aus allen Nähten. Lauter Zuschriften von Mitgliedern, die aufgrund meines Suchrasters als »passend« eingestuft wurden. Beim Lesen der Mails wurde mir ganz anders. 12 Zuschriften enthielten Nacktfotos der Absender! Totales No-Go. Bei anderen hatte ich das Gefühl, aalglatten Profiltexte erhalten zu haben. Zwei klangen ganz nett.

Ich begann mit beiden einen Mail-Austausch. Der eine legte Tempo vor und warb formvollendet um mich. Als ich ihm schrieb, dass ich mich nicht gerne zu privat mit jemandem austausche, den ich noch nie gesehen habe, wurde er komisch. Seine Mails wurden düsterer, länger, dann kam »ich liebe Dich«, aus dem Nichts. Ich habe natürlich den Kontakt beendet ? woraufhin er anfing, mich Mails zu bombardieren. Als ich meine Freunde um Rat fragte, fanden wir heraus, dass der Typ verheiratet ist und im Internet mit Frauen fiktive Liebesdramen inszeniert!

Dafür entpuppte sich der zweite Kontakt parallel als Hauptgewinn. Sein Name ist Heiko. Wir haben uns ein paarmal geschrieben, dann fingen wir an zu telefonieren. Als ich seine Stimme hörte, wusste ich, der Mann ist in Ordnung. Als endlich der Gips entfernt wurde, organisierten meine Freunde für mich eine kleine Feier in unserem Stammcafé. Ich lud Heiko dazu ein, und er kam tatsächlich. Man bedenke: erstes Treffen mit der Dating-Partnerin im Kreise ihrer Freunde? Da hätten manche Männer gekniffen. Heiko nicht. Tja, es hat gefunkt, wir sind jetzt anderthalb Jahre zusammen.«

Kennenlernen im Internet: Vorsicht, Romantikfalle!

Tatjana hat es bereits erwähnt: Aus dem Nichts kam »ich liebe Dich«. Das Sülzen in Superlativen ist in Singlebörsen leider kein Einzelfall. Bestimmt ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie blumig die Sprache in vielen Chats und Foren ist?

Da wird gesäuselt, was das Zeug hält, ein Kompliment jagt das nächste, spätestens beim zweiten Kontakt gibt's Küsschen, Umarmungen und andere Zärtlichkeiten. Dann geht's los. Wildfremde Menschen schreiben sich intime, vertrauliche Dinge, die sie im realen Leben niemandem erzählen würden, den sie eben erst kennenlernen. Warum? Weil es sich gut anfühlt, so richtig, so romantisch.

Achtung, verwechseln Sie das nicht mit echten Gefühlen! Die Vorstellung, die Sie sich von Ihrem Flirtpartner machen, beruht nicht auf echter Kommunikation, sondern ausschließlich auf dem Austausch von Daten und viel, viel Projektion. Zwischenmenschliche Kommunikation sowie Mimik, Gestik, Körpergeruch, Stimme, Feinmotorik sind unendlich viel wichtiger als geschriebene Worte in Chats und Foren. Außerdem, Hand aufs Herz: Wie authentisch ist das Bild, das Sie von sich vermitteln? Sie zeigen sich, wie Sie gerne gesehen werden möchten ? aber nicht, wie Sie sind. Genau das tun die allermeisten anderen User. Was sich da beim Chatten anfühlt wie eine mystische Seelenverwandtschaft oder ein gegenseitiges Erkennen, ist lediglich Wunschdenken, gepaart mit Sehnsucht und ein paar digitalen Fakten, die übereinstimmen und den Eindruck von »passend« vermitteln. Was ja grundsätzlich eine feine Sache ist, solange es beim harmlosen Flirt bleibt und Sie die Geschichte nicht zu ernst nehmen.

Wenn jedoch Beziehungsabsichten und tiefere Gefühle dahinterstehen, vielleicht sogar beginnende Verliebtheit, wird's brenzlig. Sonst tut es weh, wenn eine virtuelle Illusion durch Wirklichkeit ersetzt wird. Ist der vermeintliche Traumpartner in Wahrheit vergeben und fährt mehrgleisig? Sind die Fotos uralt, und der attraktive Hobbytriathlet Mitte dreißig ist in Wahrheit ein korpulenter Endvierziger? Sind Sie einem Dating-Scammer aufgesessen, der sein Spiel mit Ihnen spielt? Es fühlt sich übel an, wenn sich das Vertrauen, die Verliebtheit und die subjektiv empfundene Nähe als reine Fiktion entpuppen ...

Damit Sie nicht in die Romantikfalle tappen, ein Tipp: Zwischen virtuellem Erstkontakt und realem Kennenlernen sollte nicht zuviel Zeit vergehen!

Vom ersten Klick zum ersten Treffen

Wenn Sie ernsthaftes Interesse an einem Kandidaten haben, dann führen Sie den Mail- und Chat-Dialog nicht über Monate hinweg, sondern verlassen Sie nach ein paar Wochen den virtuellen Rahmen. Treffen Sie sich im echten Leben. Möglichst nicht zuhause, sondern an einem öffentlichen Ort. Was auch immer Sie sich vorher gemailt haben, es sind nur Worte. Was wirklich zählt, ist die Möglichkeit, sich gegenseitig wahrzunehmen. Hier führt allein Ihr Bauchgefühl Regie. Achten Sie darauf! Wie fühlt es sich an, neben diesem Menschen zu sitzen, ihn zu berühren, in seine Augen zu blicken? Was macht diese Nähe mit Ihnen? Haben Sie das Bedürfnis, zu schauspielern, sich zu »präsentieren«? Meiden Sie den Körperkontakt? Dann stimmt etwas nicht. Dies kann eine unbewusste Reaktion darauf sein, dass Ihr Datingpartner nicht ehrlich zu Ihnen ist. Oder dass es einfach nicht passt. Und umgekehrt: Wenn Sie sich trotz aller Aufregung entspannt und locker fühlen und sich gar nicht nahe genug kommen können, harmonieren Sie mit Ihrem Gegenüber. Wenn dann noch erotisches Kribbeln hinzukommt: Herzlichen Glückwunsch!

Fazit: Ja, Partnersuche im Internet funktioniert, man kann durchaus den richtigen Partner finden. Kennenlernen werden Sie ihn dort aber nicht. Das geht nur im realen Leben. Je eher Sie den Sprung vom Computer zum persönlichen Date wagen, umso eher wissen Sie, ob es auch im Herzen »Klick« macht.

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