Nach der Trennung

Nach der Trennung – Wann sind Sie bereit für eine neue Beziehung?

Plötzlich ist alles anders. Nach Jahren des Zusammenseins ist das, was das Leben definierte, nur noch eine Hälfte von etwas, das es nie wieder geben wird. Und das, was da fehlt, tut furchtbar weh. Es ist ein Phantomschmerz, der alles durchdringt und den Alltag zu einer riesigen Herausforderung werden lässt.

Wenn dann noch Kinder von der Trennung betroffen sind, wird es richtig finster. Denn hier fehlt die Möglichkeit, sich einfach zu verabschieden und einen Strich unter die gescheiterte Beziehung zu ziehen, sondern man bleibt auf Lebenszeit mit dem Ex-Partner verbunden. Was die Abgrenzung nicht gerade erleichtert.

In diesem Tal der Tränen erscheint eine neue Beziehung wie der einzig sinnvolle Ausweg. Frisch verliebt zu sein lindert den Verlust- und Trennungsschmerz, eröffnet neue Perspektiven, lenkt ab und bringt ein wenig Freude in den Alltag. Doch ist es wirklich gut, direkt nach einer Trennung eine neue Partnerschaft zu beginnen? Oder sind neue Beziehungen tabu, bis die Trennungsphase mit allen dazu gehörenden Schmerzen durchlitten wurde? Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich auf einen neuen Partner einzulassen?

Neuer Partner, neue Liebe – oder nur Verdrängung?

Wer an akutem Trennungsschmerz leidet, kennt die bohrende Frage, wann zur Hölle es endlich aufhört wehzutun. Das kann nach wenigen Wochen bereits der Fall sein, nach einem Jahr – oder in extremen Fällen nie. Dabei spielt es entgegen landläufiger Irrtümer kaum eine Rolle, ob man nun verlassen wurde oder aktiv die Beziehung beendet hat. Auch jemand, der selbstbestimmt den Schlussstrich gezogen hat, leidet. Selbst dann, wenn der Trennungsgrund eine neue Liebe ist.

Stutzen Sie an dieser Stelle? Dann heißt das, dass auch Sie sich schon einmal mit der Möglichkeit auseinandergesetzt haben, nahtlos in eine neue Beziehung zu wechseln. Weil Sie glauben, das ginge so ohne weiteres. Sie fragen sich: Kann jemand, der sich wegen einer neuen Liebe trennt, den Trennungsschmerz ganz leicht umtänzeln und glücklich mit dem neuen Partner in den Sonnenuntergang reiten? 

Weit gefehlt. Wer direkt von einer Beziehung in die nächste überwechselt, läuft sogar Gefahr, den neuen Partner als Pflaster für den eigenen Seelenschmerz zu missbrauchen und dadurch die neue, zart aufkeimende Liebe gleich mit zu ruinieren. Denn das, was die ehemalige Partnerschaft zum Scheitern brachte, existiert ja weiterhin und gelangt als Ballast in die nächste Beziehung. Es löst sich nicht in Luft auf, nur weil die Hormone Ihnen ein neues Liebesglück vorgaukeln!

Schauen Sie genau hin: Warum ist Ihre Beziehung gescheitert?

Der abgeschmackte Satz »es gehören immer zwei zum Scheitern einer Beziehung« kommt Ihnen bestimmt schon zu den Ohren wieder heraus. Man liest und hört ihn zu oft, und er klingt nach Binsenweisheit. Aber dennoch: Ein Körnchen Wahrheit steckt darin.

Selbst wenn es von außen betrachtet nur einer von beiden war, der die Partnerschaft durch Untreue, egoistisches Verhalten oder andere destruktive Muster an die Wand gefahren hat – es gehört immer jemand dazu, der dieses Verhalten mitlebt. Zumindest so lange, bis es zur Trennung kommt. 

Damit wir uns richtig verstehen: In der akuten Trennungsphase ist eine vernünftige Reflektion ebenso unmöglich wie sinnlos. Wenn Sie vor Schmerz nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht, dann tut es gut, wütend auf den Ex-Partner zu sein und ihm die Schuld für alles zuzuschieben. So unsinnig es scheint, aber das ist letztendlich sogar therapeutisch wertvoll!

Ihr Ex hat Sie verlassen? Womöglich, nachdem er Sie lange mit dem neuen Partner betrogen hatte, und ist das größte Miststück auf Erden? Dann raus damit. Machen Sie sich Luft und aus Ihrem Herzen keine Mördergrube. Schreien Sie, toben Sie, weinen Sie, schreiben Sie wütende Briefe an den Ex-Partner (natürlich ohne sie abzuschicken!), verausgaben Sie sich beim Sport, tanzen Sie bis zum Umfallen, nehmen Sie Hilfe von Freunden und Verwandten an. Sie sind nicht Ghandi und müssen nicht demutsvoll in aller Stille leiden. Mobilisieren Sie Ihren Stolz und Ihr Selbstwertgefühl! Lassen Sie den Schmerz raus, wann immer Ihnen danach ist. Erst wenn Sie einigermaßen zur Ruhe gekommen sind und klarer denken können, ist es sinnvoll, sich um das »Warum« zukümmern. 

Das klingt ein wenig zu einfach, um alltagstauglich zu sein, stimmt`s? Sie können sich nicht so gehen lassen. Sie müssen arbeiten, Haltung bewahren, sich um Kinder und Ihr soziales Umfeld kümmern. Vielleicht glauben Sie, sich den Luxus einer Trennungsverarbeitung gar nicht leisten zu können? Wäre es nicht schlauer, baldmöglichst mit der Suche nach einem neuen Traumpartner zu starten?

Nein. Immer noch viel zu früh. Sie haben zwar Dampf abgelassen, aber noch nicht einmal damit angefangen, die Trennung aufzuarbeiten. Das kommt im nächsten Schritt.

Suchen Sie sich Hilfe!

Es muss kein Therapeut sein. Meistens reicht ein guter, vertrauenswürdiger Freund, der Sie und Ihren Ex-Partner gut kennt und ohne Scheuklappenblick und Schuldzuweisung ganz behutsam mit Ihnen die Trennungsgründe auseinandernimmt. 

Auch hilfreich: Trennungsforen im Internet. Es gibt zahllose Plattformen und Chats für Frauen und Männer, in denen Scheidung und Trennung thematisiert wird, und wo Sie auf verständnisvolle Dialogpartner treffen. Die Anonymität im Netz kann hier von Vorteil sein. Niemand kennt Sie und Ihren Ex-Partner, niemand wird Sie im Alltag wegen Ihrer Foren-Postings schräg anschauen. Sie können Ihr Herz ausschütten, sich Rat holen, Fragen stellen und die Geschichten anderer Menschen nachlesen. Außerdem hilft es enorm beim Verarbeiten, die eigenen Gedanken geordnet in die Tastatur zu tippen!

Nutzen Sie diese Möglichkeit, auch wenn Sie vielleicht bisher noch nicht so ein überzeugter Foren-Nutzer waren. Sie werden feststellen: es hilft! Und wo Sie schon einmal Online unterwegs sind ... 

Halt! 

Finger weg von Singleforen und Partnerbörsen! Denken Sie nicht einmal daran, sich dort umzuschauen! Keine Flirts. Keine Romanzen. Keine erotischen Techtelmechtel! Und bitte keine tiefschürfenden, gefühlvollen virtuellen Dialoge mit potenziellen neuen Beziehungspartnern. Noch nicht. Das wäre wirklich das Ungünstigste, was Sie in Ihrer Situation tun könnten. Womit wir wieder beim übergeordneten Thema dieses Beitrags wären. 

Für eine neue Liebe ist im Moment noch kein Raum. Den schaffen Sie erst dadurch, dass Sie die Trennungsgründe erkennen und genauer beleuchten. Jedenfalls dann, wenn Sie die Trennung wirklich verarbeiten möchten und nicht nur verdrängen und mit in die nächste Beziehung schleppen. Reflektieren Sie zuerst einmal Ihre zerbrochene Beziehung.

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