Schluss mit Stress

Schluss mit Beziehungsstress – Schützen Sie Ihre Partnerschaft vor dem Alltags-Stress!

Stress beschreibt in unserer Zivilisation ein Lebensgefühl, das nicht nur im Berufsleben für Probleme sorgt, sondern sich auch zerstörerisch auf Beziehungen auswirken kann.

Nicht ohne Grund ist das gestresste »Dampf ablassen« einer der häufigsten Gründe für Seitensprünge. Wenn innerhalb der Beziehung vor lauter Problembewältigung, Zeitdruck und Arbeitspensum kein Raum mehr für Zärtlichkeiten und Intimität bleibt, wirkt die Verlockung eines lockeren, unverbindlichen One-Night-Stand wie Balsam fürs strapazierte Nervenkostüm. 

Doch was genau stresst uns eigentlich so? Ist es wirklich die Außenwelt mit ihren Herausforderungen und Problemen? Oder ist Beziehungsstress eine subjektive Wahrnehmung, der wir unser Wohlgefühl unterordnen? Haben wir es selbst in der Hand, wie sehr wir uns und unsere Beziehungs-Harmonie »stressen« lassen?

Beziehungsstress ist eine Frage der Perspektive

Sie wurden im Job schon wieder bei der Beförderung übergangen und würden am liebsten alles hinschmeißen, bezahlen aber dummerweise gerade die zweite Hypothek für Ihr Einfamilienhaus ab, das Auto ist kaputt, Ihre Eltern kommen am Wochenende zu Besuch, Ihre Frau kriegt Sie nur noch minutenweise zu Gesicht und schmollt, weil aus dem geplanten Kurzurlaub nichts wird, und Ihr Nachbar möchte ganz dringend per Rechtsanwalt über das Unkraut unter dem Gartenzaun mit Ihnen reden?

Allein die Summe dieser Ereignisse würde einen mittelschweren Nervenzusammenbruch rechtfertigen. Nun können Sie an den äußeren Umständen nicht viel ändern. Aber an ihrem Umgang damit! Wenn Sie die (fiktiven) Probleme in einer Hitliste sortieren müssten, was stünde ganz oben? 

Es sind nicht immer die offensichtlichen Beziehungskiller wie Affären, Lügen und Intrigen, die der Ehe den Garaus machen. Manchmal schleicht sich der liebestötende Stress auch getarnt als »ganz normaler Alltag« durch die Hintertür ins Beziehungsleben ein, und dann heißt es: aktiv werden, sobald Sie es merken!

Der Superman-Komplex gefährdet Ihre Partnerschaft

Natürlich könnte die Überschrift auch »Supergirl«-Komplex lauten. Männer und Frauen schenken sich hier gegenseitig nichts. Der Wunsch, in jeder Lebenslage souverän zu sein, Probleme lösen zu können und alles im Griff zu haben, manifestiert sich in vielen von uns als Anspruch, den wir an uns selbst stellen. Natürlich ist es ein unerfüllbarer Anspruch. Wer es trotzdem versucht, scheitert zwangsläufig und riskiert einen Burnout.

Also: Tun Sie sich einen Gefallen und freunden Sie sich mit dem Gedanken an, dass Sie nicht perfekt sind. 

Zeigen Sie Ihrem Schatz, dass Sie ein Mensch sind!

Perfekt sein zu wollen macht kalt. Unnahbar. Schweigsam. Ziehen Sie sich nicht in sich selbst zurück, wenn Sie das Gefühl haben, unter Leistungsdruck und Anspannung zu stehen. Vertrauen Sie sich Ihrem Partner an. Sprechen Sie über Ihren Frust, Ihre Ängste und das Gefühl, bestimmte Anforderungen nicht erfüllen zu können. Sie stabilisieren dadurch Ihre Partnerschaft mehr, als wenn Sie versuchen, ständig überlegen zu agieren! 

Schwäche, Unsicherheit und Verletzbarkeit signalisieren, dass Sie ein menschliches Wesens sind! Überlegenheit und Perfektionismus haben nichts mit Gefühlen zu tun und erzeugen eine unnahbare, abweisende Fassade, an der letztendlich auch Ihr Partner abprallt, wenn er zu Ihnen durchdringen möchte. 

Nehmen Sie noch einmal die Liste zur Hand und überlegen Sie, welche Probleme Sie unbedingt alleine stemmen müssen ? und bei welchen Sie sich Verstärkung ins Boot holen könnten. 

Beziehen Sie unbedingt Ihren Partner in diese Gedanken mit ein. Gemeinsam Probleme zu lösen kostet zwar Energie, doch es schweißt auch zusammen. Und es ist gesünder für Ihre Beziehungsdynamik, als wenn Sie wie ein verbitterter Einzelkämpfer gegen den Rest der Welt agieren und sich aufreiben.

Stress bringt das Beste und das Schlimmste in Ihnen zum Vorschein

Wenn Sie abends nach Hause kommen, möchten Sie nur noch Ihre Ruhe. Kurz Nachrichten oder einen Film im Fernsehen, eine Kleinigkeit essen (weil es fürs gemeinsame Abendessen schon wieder viel zu spät ist) und tschüss Welt. Ja, manchmal geht es nicht anders. Aber mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Partner gelacht? Alberne Witze gerissen? Sich ausgelassen raufend auf dem Sofa gekugelt? Von Sex gar nicht zu reden.

Unsere Kommunikationsfähigkeit verändert sich unter Stress-Einfluss. Liebevolle, warmherzige Sätze und Gesten verschwinden zugunsten egozentrischer und analytischer Formulierungen. Schließlich zählt jede Minute. Auch der private Austausch wird in einem Klima von Anspannung und Zeitdruck geführt. Sie werden ungeduldig, Ihnen fehlt die Kraft und die Lust, sich in die Position Ihres Partners einzufühlen, und überhaupt, warum begreift er denn nicht, dass Sie furchtbar unter Druck stehen? Sind das Gedanken, die Ihnen vertraut vorkommen?

Bestimmt erinnern Sie sich noch an die 5:1-Streitformel des Beziehungsforschers John Gottman. Jede aggressive, verletzende Formulierung muss mit fünf liebevollen Sätzen ausgeglichen werden, damit die Paar-Chemie nicht leidet. Wie sieht es bei Ihnen aus? Hat der Stress schon dazu geführt, dass Sie 1:1 kommunizieren? Dann wird es allerhöchste Zeit, die Prioritäten zu ändern!

Gefährlich: Stress als Mittel zum Zweck

Nicht nur zu viel Stress, auch das Gegenteil kann Ihre Beziehung schädigen! Mussten Sie auch schon einmal einen dieser fiesen Psychotests absolvieren, bei denen Bewerber für einen Job ganz gezielt in eine frei erfundene, aber extreme Stress-Situationen bugsiert werden? Nur damit der potenzielle Chef testen kann, wie Sie sich unter Belastungen verhalten? 

Etwas ähnliches findet in manchen Beziehungen statt. In den meisten Fällen allerdings nicht bewusst. Klassischer Ablauf: Einer von beiden Partnern vermisst etwas im Beziehungsalltag, weiß aber nicht was. Alles läuft prima, es gibt kaum nennenswerte Sorgen, Job und Privatleben bewegen sich in geordneten Bahnen. ZU geordnet! 

Auch wenn es unglaublich klingt, aber: Zuviel Ruhe kann manche Menschen nervös machen. Vielleicht weil sie es nicht glauben können, dass wirklich alles in Ordnung ist ? oder weil sie die Unruhe und den Stress in ihrem Leben einfach brauchen. Also wird still und leise ein Konflikt gezüchtet, der die Beziehung von innen »stresst« und für jede Menge Spannung sorgt. 

Als Platzhalter für diesen Stellvertreterkonflikt kann fast alles verwendet werden: Freunde, Job, Nachbarn, Familie ... Irgendwo schlummert garantiert ein Konflikt, der sich provozieren und aktivieren lässt! Und schon wirbelt der Alltag wie eine Windhose um dieses neue Problem. Ergebnis: Beide Partner müssen sich beweisen, haben gemeinsame Aufgaben zu lösen, jede Menge Trubel, die Liebe wird einer Bewährungsprobe unterzogen. Eine ebenso ungesunde wie unfaire Methode, den Alltag »aufzupeppen«.

Für mehr Wir-Gefühl: Paarzeit im Terminkalender eintragen!

Schaffen Sie sich Paar-exklusive Freiräume, zu denen weder Kollegen, Chefs, noch Familie Zutritt haben. Kostbare, kleine Privatzonen, die nur Ihnen und Ihrem Schatz vorbehalten sind.

Müssen Sie nach dem Abendessen wirklich sofort an den PC und E-Mails checken? Ist nicht vielleicht noch Zeit für ein Glas Wein und ein Gespräch? Oder einen Spaziergang durch den Park, zur Eisdiele oder in die Kneipe um die Ecke? Wie wäre es, wenn Sie zwischendurch mal »Wochenende spielen«? Selbst wenn es nur zwei Stunden statt zwei Tage sind: Verabreden Sie sich, halten Sie sich diese Zeit frei und kümmern Sie sich umeinander! 

Tipp: Wenn Probleme zu diskutieren sind, z.B. der Nachbarschaftsstreit, Familiendramen oder finanzielle Themen, dann setzen Sie sich ein zeitliches Limit und lassen Sie diese Gespräche nicht ausufern.

Es ist eine erwiesene Tatsache, dass Problemdiskussionen sich nach 30 Minuten inhaltlich zu wiederholen beginnen. Das heißt, wenn Sie nach einer halben Stunde zu keiner Lösung gekommen sind, beginnen Sie wieder von vorne. Vergeuden Sie nicht Ihre Paarzeit damit, im Kreis zu denken, sondern schließen Sie das Thema vorerst ab, schlafen Sie darüber und versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Gestalten Sie den Abschluss immer liebevoll, nicht frustriert. Zeigen Sie sich in Form körperlicher Zärtlichkeiten, dass auch akute Probleme nichts an Ihrer Verbundenheit ändern können!

Stress als Ablenkungsmanöver vom Wesentlichen

Eine unangenehme, aber leider wichtige Wahrheit zum Schluss: Wenn sich in Ihrem Leben auffallend viele Stress-Situationen abspielen und Ihre Beziehung sich nur noch darum dreht, dann könnte es sein, dass Sie sich vor etwas drücken. 

Gibt es Paar-Konflikte, denen Sie aus dem Weg gehen ? und ganz froh darüber sind, dass jede Menge äußere Probleme zu lösen sind? Hinterfragen Sie in einer stillen Stunde einmal (und ja, für die nehmen Sie sich bitte Zeit!), ob Sie durch den ständigen Stress nicht vor einer ungelösten Beziehungsfrage davonlaufen. Sexleben, Kinderwunsch, Zukunftspläne? Wie steht es um Ihre Zweisamkeit? Ist Ihr Partner noch immer Ihre große Liebe? Oder werden Sie beide nur durch immer neue Belastungsproben zusammengeschweißt?

Diese Fragen fühlen sich nicht gut an. Aber wenn bei Ihnen Resonanzen entstehen, während Sie darüber nachdenken, sollten Sie ihnen nachspüren, statt davor davonzurennen. Wenn Sie schnell genug laufen, führt Sie diese Flucht sonst vielleicht geradewegs in ein außereheliches Abenteuer!

 

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