Warum Liebe stirbt

Warum Liebe stirbt – Die 5 apokalyptischen Beziehungskiller

...wie Sie den Untergang verhindern können

Diesmal ist es für immer! Wie oft haben Sie diesen Satz schon gedacht, geseufzt oder glücklich Ihrem besten Freund am Telefon erzählt? Am Anfang einer Beziehung fühlt es sich an, als ob alles stimmt. Als sei die Liebe ein unzerstörbares Schutzschild gegen die Widrigkeiten des Alltags. Wir glauben nur zu gern daran, dass dieses euphorische Gefühl für alle Zeiten genau so erhalten bleibt. Und übersehen dabei, dass wir an dieser Stelle bereits den ersten, folgenschweren Fehler begehen, der einige Monate oder Jahre später die Liebe zerbrechen lassen kann. 

Unzerstörbar ist dieses Glück nämlich nicht. Leider behandeln wir die Liebe oft so, als sei sie eine robuste Kreuzung aus Punchingball und Druckventil, die alles aushält und sich von jedem Tiefschlag ganz von selbst wieder erholt. Doch Liebe ist nicht unkaputtbar. Die Zerstörung der Beziehung geht nicht mit lauten, plakativen Brüchen einher, sondern beginnt schleichend, unbemerkt.

Der amerikanische Psychologe und Mathematiker John Gottmann widmet genau diesem Thema sein Lebenswerk. Er studierte in seinem eigens dafür eingerichteten Liebeslabor in Seattle viele hundert Stunden lang verschiedene Ehepaare in ihrem Kommunikations- und Streitverhalten. Dabei stellte er fest, dass es zwar gefühlte tausend unterschiedliche Streitthemen und wunde Punkte zwischen Beziehungspartnern gibt, sich diese jedoch auf fünf stereotype Muster reduzieren lassen. Gottmann benannte sie mit der treffenden Bezeichnung apokalyptische Reiter, weil sie – sofern man diesen Beziehungskillern nicht rechtzeitig Einhalt gebietet – auch der größten Liebe gründlich den Garaus machen können.

Wichtigste Erkenntnis dieser umfangreichen Studie: Das Scheitern der Beziehung ist kein Naturgesetz! Sie können durch eine bewusste und achtsame Kommunikation verhindern, dass die fünf apokalyptischen Beziehungskiller bei Ihnen einziehen und mit ihrem Zerstörungswerk beginnen. 

Autor Bas Kast greift genau diese Erkenntnis in seinem Buch »Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt« auf. Er inspiriert und ermutigt Paare dazu, den apokalyptischen Beziehungskillern nicht wehrlos Zutritt zu gewähren, sondern ihnen kampfbereit entgegenzutreten.

Hier gilt: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Also enttarnen wir die Beziehungskiller und schauen wir uns an, wie sie vorgehen.

1. Beziehungskiller: Der Unterschied zwischen Kritik und Beschwerde

Laut Gottmanns Beobachtungen lässt sich in 96 Prozent aller Auseinandersetzungen bereits nach drei Minuten sagen, wie ein Streitgespräch unter Eheleuten zu Ende geht. Ob sich die beiden Streithähne wieder vertragen oder sich beleidigt in ihre Schmollwinkel zurückziehen und den Krach auf kleiner Flamme endlos köcheln lassen.

Als sicherster Indikator, wie es um das Liebesklima bestellt ist, gilt der erste apokalyptische Beziehungskiller. Er hört auf den Namen Kritik und kommt relativ harmlos daher. Man erkennt ihn lediglich daran, dass er sich als berechtigter Einwand verkleidet, sich aber ganz anders anfühlt. Und schon spüren Sie die erste unnötige Spannung in Ihrer Kommunikation. Hier kommt es auf feinste Zwischentöne an!

Beschwerde und Kritik wirken auf den ersten Blick identisch, kommen aber unterschiedlich beim Gegenüber an. Während eine Beschwerde eine klare Ich-Botschaft beinhaltet (»Ich fühle mich überfordert/unsicher/unverstanden/verletzt« etc.), ist eine Kritik meist eine offensiv bis aggressiv formulierte Du-Botschaft. »Du überfordert mich, Du verstehst mich nicht, Du verletzt mich.«. Spüren Sie den Unterschied? Jemand, der so attackiert wird, macht zu Recht die Schotten dicht und schaltet in den Verteidigungsmodus.

Gesteigert werden kann die toxische Wirkung von Kritik durch Killer-Halbsätze à la »immer sagst du«, »nie machst du«, und »ich hab doch schon hundertmal erklärt, dass«. Kommen diese Formulierungen bei Ihnen auch vor? Dann wäre es gut, sie ersatzlos zu streichen. 

Natürlich soll Ihre Beziehungs-Kommunikation nicht in Wortklauberei ausarten. Zwischen Liebenden darf man sich auch mal im Ton vergreifen. Sie sollten jedoch nicht die zerstörerische Wirkung dieser Aussagen unterschätzen, denn darin stecken jede Menge versteckter Botschaften, die richtig wehtun! Sie kritisieren ja mit ihnen nicht nur eine aktuelle Situation, sondern Ihren Partner als Ganzes. Mit solch brachialen »immer-nie«-Ansagen versetzen Sie Ihr Gegenüber in Angst und Schrecken. Ihr Partner reagiert mit Irritation, Ärger und diffusem Bedrohtfühlen. Statt sich im Gespräch anzunähern, bewegen Sie sich immer weiter in entgegengesetzte Richtungen. Und plötzlich riecht die Situation nach ernsthaften Beziehungsproblemen. Dabei ging es doch eigentlich um eine Kleinigkeit, stimmt's? 

Bauen Sie sich für das nächste Mal eine Eselsbrücke und denken Sie an ein Urlaubsszenario. Ein unsympathischer Restaurantkritiker schreibt Ihr Lieblingsbistro in Grund und Boden, weil ihm die Farbe der Tischdecken nicht passt. Arrogant, überheblich, ungerecht, ohne in Dialog mit dem Besitzer zu treten. Das ist Kritik. Sie wiederum wissen, was sich gehört und bringen eine Beschwerde an der Rezeption Ihres Hotels vor, z.B. über fehlende Handtücher oder einen defekten Durchlauferhitzer. Weil Sie konstruktiv vorgehen und damit erreichen wollen, dass a) man mit Ihnen redet und b) das Problem gelöst wird. Schon haben Sie den Unterschied zwischen Kritik und Beschwerde anschaulich vor Augen. 

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