Zusammenziehen

Zusammenziehen – Sind Sie bereit für diese Herausforderung?

Wenn zwei Singles ein Paar werden, stellt sich früher oder später die Frage nach einer gemeinsamen Wohnung. Sei es, um eine Fernbeziehung in eine 24/7-Partnerschaft umzuwandeln, um eine Monatsmiete zu sparen oder aus Familiengründungsabsichten.

Allerdings träumt längst nicht jeder davon, mit dem Beziehungspartner in einer häuslichen Gemeinschaft zu leben. Gerade Männer und Frauen, die eine oder mehrere Trennungen hinter sich haben und das Alleinwohnen zu schätzen wissen, geben ungern ihre liebgewonnenen Freiheiten wieder auf.

Über offene Zahnpastatuben oder die hochgeklappte Klobrille diskutiert heute kaum noch jemand. Es gibt wichtigere Themen, die beim Zusammenziehen zweier Individuen zu beachten sind. Ganz am Anfang steht die Frage:

  • Sind wir überhaupt soweit?
  • Schaffen wir es, ein gemeinsames Zuhause zu bewohnen, ohne uns selbst als Einzelpersonen zu verlieren? 

Viele Paare umschiffen dieses heikle Thema ängstlich. Sie auch? Dann trösten Sie sich: Die meisten Befürchtungen, z.B. dass Sie Ihren persönlichen Freiraum aufgeben müssten, sind pure Projektion. Damit der Umzug in die künftige Zweier-WG nicht zum diplomatischen Eiertanz wird, haben wir für Sie sechs typische Hürden beim Zusammenziehen zusammengefasst.

Hürde 1: Wo wollen wir wohnen?

Man sagt, die Wahl seines Wohnortes verriete wie ein offenes Buch eine Menge über die Persönlichkeit eines Menschen. 

Demnach müsste das Zusammenziehen eine mehrbändige Romanreihe füllen. Allein die vielen Entscheidungen, bevor überhaupt der erste Karton gepackt wird. Wer zieht zu wem? Warum? Wer gibt seine Wohnung auf, und wer rückt so weit zur Seite, dass der Partner sich nicht wie ein Gast, sondern zuhause fühlt? Suchen Sie sich etwas Neues? Wenn ja, wo? Stadtmitte oder Grüngürtel? Kultiger Altbau oder praktischer neuer Wohnblock? Als Wohngemeinschaft oder als Paar-Kokon?

Wenn Sie in etwa dieselben Freizeit-Vorlieben haben, dürfte die Frage nach Stadtmitte oder Randlage schnell beantwortet sein. Rasentrimmer und Nachbartratsch am Gartenzaun sind nicht unbedingt ein erstrebenswerter Ersatz für Szenekneipen, Performance-Theater oder den 24-Stunden-Thai-Imbiss mit dem weltbesten Curry um die Ecke. Problematisch wird es, wenn einer auf ländliche Idylle und der andere auf Großstadtromantik steht. In diesem Fall gibt es keinen Kompromiss. Behalten Sie Ihre eigenen Wohnungen!

Gleiches gilt bei unvereinbaren Haustier-Präferenzen. Sie leben seit vielen Jahren mit Ihrem besten Freund zusammen, einem Labradormischling? Ihre Freundin gruselt sich beim Anblick von Tierhaaren im Bett, muss beim Geruch von Hundefutter würgen und findet Wauzis nächtliche Spontanbesuche im Schlafzimmer nicht spaßig? Dann legen Sie das Zusammenziehen vorläufig auf Eis. Ihrer Freundin, sich selbst und Wauzi zuliebe.

Wenn alles passt, Sie sich auf einen Wohnort, ein Objekt und einen Termin geeinigt haben, wird die Sache richtig spannend. Denn nun gehts ans Eingemachte.

Hürde 2: Wer bezahlt den Spaß?

Sie sind beide berufstätig und verdienen gleich viel? Prima, dann ist eine 50:50-Rechnung bei Miete, Nebenkosten und Essen kein Problem.

Verliert einer von beiden den Job, oder sind Ihre finanziellen Verhältnisse von Anfang an unterschiedlich, müssen Sie reden. Mit gezücktem Taschenrechner und ohne falsche Scham vor dem Thema Geld. 

Übernimmt einer von beiden stillschweigend den größeren Teil der Ausgaben, kann daraus ein gefährlicher Frustfaktor werden, der bei einem Streit unerwartet scharfe Munition liefert. Wer zahlt, hat recht ? so ist es leider in den Köpfen vieler konservativer Menschen. Lassen Sie sich daher nicht zu früh zu einer gemeinsamen Kasse hinreißen! Dazu ist noch genug Zeit, wenn es in Richtung Familienplanung geht. Führen Sie vorerst Ihre eigenen Finanzen weiter wie bisher. Diskutieren Sie vor dem Zusammenziehen darüber, wer was in welcher Höhe bezahlt. Legen Sie gegenseitig Ihre finanziellen Verhältnisse offen und führen Sie ein Haushaltsbuch. Ihr Steuerberater wird Ihnen ohnehin dazu raten.

Hürde 3: Al Bundy Sofa oder Designercouch?

Ihre Freundin besitzt eine uralte, durchgesessene Flohmarktcouch, die so gar nicht zu Ihren eleganten, cremeweißen Ledermöbeln passen will?

Tja. Wenn an dem abgeschabten guten Stück jede Menge schöner Erinnerungen hängen und Ihre Partnerin sich nicht davon trennen will, dann respektieren Sie das. Persönliche Liebhaberstücke sind wertvoller als jede noch so schicke, durchgestylte Wohnlandschaft. 

Grundsätzlich ist das Zusammenwürfeln zweier Haushalte eine kreative Sache. Meist prallen völlig verschiedene Stile und Lebensgeschichten aufeinander. Machen Sie etwas daraus! Gerade der Mix aus Second Hand und Neuware, Luxusdesign und Baumarkt, verspielten Erbstücken und kühlem Chic kann ein harmonisches Ganzes ergeben. Ihr Partner besitzt ein Dutzend großformatiger, knallbunter Collagen, während Sie nur drei Fotos in Alurahmen aufhängen wollen? Sie stehen auf gemusterte Orientteppiche, Ihr Partner auf schwarze Flokatis? Im Bad sollte bei Ihnen alles weiß sein, während Ihr Partner am liebsten bunte Kacheln und noch buntere Handtücher hätte? Streiten Sie nicht darüber, sondern gestalten Sie die Atmosphäre in ihrem gemeinsamen Reich so phantasievoll wie Ihre Beziehung! Stilmix ist auf Dauer inspirierender als eine Wohnung wie aus dem Möbelkatalog.

Hürde 4: Die Schmuddelgrenze

Ihr Partner ist penibel und will, dass man zuhause vom Fußboden essen kann, während Sie das nicht so genau nehmen und darauf warten, dass Krümel und leere Kekspackungen von selbst Richtung Abfalleimer wandern?

Erstaunlicherweise streiten viele Paare über solche Nebensächlichkeiten. Dabei ist die Lösung ganz einfach. Sie entdecken Ihre Lust am Putzen und passen sich Ihrem Partner an, oder Sie engagieren eine Putzfrau. Im Zweifelsfall ist es besser, sich in Richtung Sauberkeitsfimmel zu orientieren, als dem sauberkeitsliebenden Partner ständig das Krümel-Chaos zuzumuten. Stichwort sechsbeinige Untermieter ...

Liegen Ihre Sauberkeits-Vorlieben zu weit auseinander, wird es ernst. Hinter Messietum, übertriebener Ordnungswut oder paranoidem Waschzwang können Zwangsneurosen stecken. Klären Sie das, bevor es Ihren Alltag belastet, notfalls mit kompetenter Hilfe. 

Hürde 5: Gemeinsames Schlafzimmer oder nicht?

Fragt man Paare, die seit Jahrzehnten zusammenleben und guten Sex miteinander genießen nach ihrem Geheimrezept, so fallen schnell die Worte »getrennte Schlafzimmer«. Leider sind wir in unserem Kulturkreis auf »Wohnzimmer-Schlafzimmer-Kinderzimmer« getrimmt. Ergebnis: Kaum Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten

Ganz ungünstiger Ansatz. Und der sicherste Weg, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Schnarchen, unterschiedliche Schlaf- und Traumzyklen, nächtliches Aufwachen ? so schön es ist, aneinandergekuschelt einzuschlafen, manchmal möchte man später einfach seine Ruhe, oder? Vielleicht auch um halb vier das Licht anmachen und lesen, an den Kühlschrank schleichen, einen Film schauen ? und zwar ohne sich rechtfertigen zu müssen oder den Partner aus einer REM-Phase zu reißen.

Wie wäre es, wenn Sie statt Wohnzimmer und Schlafzimmer jeder ein Zimmer für sich einrichten? Also zwei gleichberechtigte, kombinierte Wohn- und Schlafzimmer? Sie haben ja ohnehin zwei Haushalte zusammenzuwürfeln! Wer bewusst zum geliebten Partner ins Bettchen krabbelt, kann körperliche Nähe intensiver genießen als wenn man zwangsweise nebeneinander einschläft und aufwacht, nur weil »man« das eben so macht. Pfeifen Sie drauf, was »man« macht, es ist Ihr Zuhause.

Hürde 6: Verstellen Sie sich nicht!

Ihnen ist die Privatsphäre wichtig? Zum Beispiel, wenn Sie mit Ihren Freunden telefonieren, Musik hören oder in Ruhe nachdenken möchten? Dann sagen Sie das klar und deutlich Ihrem Partner.

Wenn Sie darauf verzichten und erst nach einem Jahr damit herausplatzen, dass Sie sich irgendwie eingeengt fühlen, wird er Sie zu Recht schräg anschauen. Ihr neuer Mitbewohner liebt Sie, aber er verfügt nicht über hellseherische Fähigkeiten. 

Wer in häuslicher Gemeinschaft zusammenlebt, braucht eine andere Streitkultur als bei getrennten Wohnungen. Einfach aufstehen und Distanz erzeugen geht nicht mehr. Also lernen Sie, miteinander zu streiten! 

Kehren Sie Ihre Meinungsverschiedenheiten oder unterschiedliche Wohlfühl-Bedürfnisse nicht unter den Teppich (egal, welche Farbe er hat). Zwingen Sie sich nicht ununterbrochen zu Kompromissen und Harmonie. Gestehen Sie sich zu, auch mal auszurasten, eine Tür zuzuknallen und Dampf abzulassen. Natürlich ohne den Partner dabei zu beleidigen oder in Grund und Boden zu brüllen. Sagen Sie, was Sie wollen, und was nicht. Bedürfnisse zu haben, ist kein Verbrechen. Es gehört zum Menschsein. 

Liebe im gemeinsamen Zuhause bedeutet nicht, ständig ein und derselben Meinung zu sein, sondern sich gegenseitig so zu lassen, wie man ist. Macken, Schrullen und Freiräume inklusive.

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