Im besten Licht

Im besten Licht – Das richtige Profilfoto für die Singlebörse

Kennen Sie das: Sie sehen ein Portraitfoto und haben sofort ein Gefühl zu dem Menschen auf diesem Bild? Innerhalb einer einzigen Sekunde spüren Sie entweder Interesse und Sympathie oder eine innere Abwehr. Sie betrachten sich die Person auf dem Bild, entdecken Details, folgen den Gesichtszügen und beschäftigen sich damit – oder Sie klicken gleich weiter und möchten nichts über den gezeigten Menschen wissen.

Diese spontane Reaktion entspringt unserem Unterbewusstsein, das aufgrund kindlicher Prägungen, persönlicher Referenzerlebnisse und individueller Vorlieben innerhalb von Augenblicken entscheidet, wen wir anziehend finden und wen nicht. Steuern lässt sich diese Reaktion (fast) nicht. Das Wörtchen »fast« ist es, um das wir uns nachfolgend ganz genau kümmern werden!

Mythen und Fakten über Profilfotos

Was die Werbung längst erkannt hat, spricht sich auch in Singlebörsen und Partnervermittlungen herum: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Profil mit Foto erzeugt durchschnittlich neunmal mehr Kontakte als ein reines Textprofil ohne Bild. Doch welches Foto kommt am besten an? Je nach Komposition, Ausleuchtung und Gesamteindruck kann ein und dieselbe Person einmal sympathisch und einmal unangenehm rüberkommen. Wie lässt sich der »Erfolgsfaktor« eines Profilbildes beeinflussen?

Unter dem Titel »The 4 big myths of profile pictures« veröffentlichten die Trendforscher von OkTrends jetzt eine aufschlussreiche Abhandlung zum Thema Profilbilder. Untersucht wurden rund 7.000 Profilfotos bei verschiedenen Singlebörsen. Überraschendes Ergebnis: Die weitverbreiteten Klischees wurden allesamt widerlegt! So schreiben viele Singlebörsen in ihrer Benutzerführung, man solle unbedingt Profilbilder einstellen, auf denen das Gesicht zu sehen sei. Die Analyse bewies, dass dies für die Erfolgsquote völlig unwichtig ist. Die Anzahl der erzielten Kontakte bei Männern und Frauen mit Portraitfotos lag gleichauf mit denen, die statt des Gesichts ein persönliches Motiv zeigten, z.B. ein Musikinstrument, Füße oder ein Urlaubsbild im Taucheranzug unter Wasser. Ein Motiv, das neugierig macht und Gesprächsstoff vermuten lässt, kommt also mindestens so gut an wie ein Zahnpastalächeln.

A propos Lächeln! Eine weitere Erkenntnis der Studie: Lächeln schreckt zwar nicht ab, bringt aber auch keine zusätzlichen Sympathiepunkte. Ein ernsthafter Gesichtsausdruck brachte im Schnitt mehr ernstgemeinte Zuschriften als ein eindeutiges »bitte ruf mich an«-Lächeln.

Ebenso widerlegt wurde der Mythos, dass junge Frauen sich am besten möglichst textilarm präsentieren sollten, um Kontakte zu erzielen. Das Gegenteil ist der Fall: Bei den Userinnen im Alter von 18-20 Jahren verbesserte sich die Rücklaufquote mit einem aufreizenden Bild lediglich um ca. 24 Prozent, während bei den Frauen ab 30 ein leicht erotisches Foto für eine Steigerung von bis zu 79 Prozent sorgte.

Die Antwort auf die Frage nach dem perfekten Profilbild liegt demnach in einer Gegenfrage: Was wollen Sie in der Singlebörse erreichen? Welche Art Kontakte möchten Sie knüpfen? Nehmen Sie diese Gedanken nicht auf die leichte Schulter, denn davon hängt der Erfolg Ihres Profils ab!

Bevor Sie losknipsen: Wie wollen Sie gesehen werden?

Viele User wählen rein intuitiv die »richtigen« Motive, indem sie sich für eine der beiden häufigsten Singlebörsen-Aktivitäten entscheiden: interessante Gespräche oder Sex. Was möchten Sie? Sind Sie an Sexkontakten interessiert oder suchen Sie tiefergehende Gespräche, aus denen ernsthafte Freundschaften und vielleicht eine neue Beziehung entstehen können?

Für Letzteres eignen sich am besten Fotos, die Sie bei einer typischen Tätigkeit zeigen, z.B. bei ihrem Hobby, mit Ihren Haustier oder an Ihrem Lieblings-Reiseziel. Greifen Sie für reine Flirt- und Sexkontakte jedoch nicht auf den berühmten »myspace-Shot« zurück, das spontan wirkende Handycam-Selbstportrait von oben. Auch für seriöse Sexkontakte sollten sie einen ernsthaften, vertrauensvollen Eindruck erwecken. Auch Nacktfotos, solange Sie nicht wirklich eine erotische Augenweide für Ihr Gegenüber sind, sind tabu! Und falls sie es sind, dann sollten die Profilbilder nur im Sinne der Aktfotografie aufgenommen worden sein. Auch beliebt und sehr erfolgreich, wenn's um Casual-Kontakte geht: Fotos in eindeutig-zweideutigen Posen. Diese zentrale Unterscheidung in Gesprächskontakte vs. Sexkontakte betrifft übrigens Männer wie Frauen, die Schlüsselreize scheinen hier sehr ähnlich interpretiert zu werden. 

Grundsätzlich gilt natürlich: Je aufschlussreicher das Profilbild, umso mehr fesselt es den Betrachter. Auch ein scheinbar spontanes Foto mit Unschärfen kann so inszeniert werden, dass es genau die richtige Wirkung entfaltet. Mit Selbstauslöser und Webcam lassen sich hier schöne Experimente machen. Versuchen Sie es auch einmal mit einer Videosequenz und extrahieren Sie das Standbild, das Ihnen am besten gefällt! 

Falls Sie keine brauchbaren Bilder erzielen, beauftragen Sie einen Fotografen damit. Bitte keinen, der auf Bewerbungsfotos und Schulklassen spezialisiert ist! Dort werden Sie in ein Schema gepresst und können kein individuelles Foto erwarten. Suchen Sie sich jemanden, mit dessen künstlerischer Handschrift Sie sich identifizieren. Fragen Sie auch an der Fachhochschule für Design nach, dort finden sich haufenweise junge, ambitionierte Fotografen, die Modelle für freie Arbeiten suchen!

Formulieren Sie vorher ein Briefing, d.h. eine kurze Beschreibung aller Stichpunkte, die Ihnen wichtig sind. Beschreiben Sie die Eigenschaften, die auf dem Bild unterstrichen werden sollen. Verwenden Sie griffige, klare Attribute, z.B. intelligent, weltgewandt, tierlieb, kreativ, verrückt, konservativ, spirituell, romantisch, feierfreudig, sexuell aufgeschlossen, offensiv, treu, schüchtern oder was immer Ihnen einfällt. Hauptsache, Sie benennen es. Je klarer Sie sich ausdrücken, umso besser kann Ihr Fotograf Sie in Szene setzen.

Vorsicht, Weibchenschema: Wie Frauen gut ankommen

Sex sells, lautet eine betonharte Werbeweisheit. Für weibliche Profilbilder gilt das nur bedingt. Ähnlich wie Ihre männlichen Kollegen sollten Sie sich sehr genau überlegen, wie Sie wahrgenommen werden wollen. Das Problem: Frauen, die in Singlebörsen ein allzu freizügiges Foto mit Brust- oder Po-Ansatz zeigen, erhalten postwendend das Etikett »Schlampe«. Das böse Wort klebt hartnäckig, egal, wie oft Sie anschließend das Bild auswechseln.

Was den Flirt mit der Kamera angeht, so fällt hier ein großer Unterschied bei Männern und Frauen auf. Während Männer mit dem abgewandten, ernsthaften Blick besser ankommen, verzeichnen Frauen, die direkt in die Kamera lächeln und sexy-flirtend schauen, die höchsten Erfolgsquoten, was Zuschriften angeht. Allerdings – und das dürfen Sie nicht vergessen – muss man zwischen Masse und Klasse unterscheiden. Natürlich kommt das Weibchenschema gut an. Eine Frau, die sich lächelnd, verführerisch und leichtbekleidet präsentiert, wird sich über einen Mangel an Zuschriften nicht beklagen können. Doch welche Art Zuschriften wird wohl mit diesem Profilbild generiert? Sie vermuten richtig. Und zwar nur diese.

Fragen Sie sich also: Möchten Sie das Weibchenschema bedienen und Männer ansprechen, die nach anschmiegsamen Gespielinnen suchen? Oder möchten Sie als emanzipierte, persönlichkeitsstarke Frau wahrgenommen werden, die auch in bekleidetem Zustand eine interessante Partnerin ist? Welche Sorte Mann möchten Sie ansprechen: den verheirateten Saubermann, der eine Geliebte suche? Den Dauersingle, der primär an One-Night-Stand interessiert ist? Oder einen potenziellen neuen Partner, mit dem Sie Pferde stehlen können? Merken Sie sich fürs Fotoshooting die goldene Regel: Genau so, wie Sie auf dem Profilbild wirken, werden Sie später auch angesprochen!

Übrigens: Während Männerfotos mit Tieren bei den Damen beinahe reflexhaftes Klicken aufs Kontaktformular auslösen, ist es bei Frauenfotos genau umgekehrt. Profilfotos, auf denen Frauen mit Hund, Katze oder Pferd zu sehen sind, scheinen Männer zu verschrecken. Ob hier eine geschlechterspezifische Prägung im Unterbewusstsein wirkt? Vielleicht wirkt eine Frau, die bereits »Gesellschaft« in Form eines Tieres hat, weniger schutzbedürftig oder pflegeleicht?

Was gar nicht geht: Fotos zum Abgewöhnen

Nun wissen Sie, welche Profilfotos für welche Art Singlebörsen-Kontakt am besten geeignet sind. Am anderen Ende des Skala gibt's natürlich auch die Abtörner, mit denen Sie zwar ebenfalls Aufmerksamkeit erregen können, aber ganz bestimmt nicht die, die Sie sich erhoffen.

Auf Platz 1 stehen peinliche Schnappschüsse mit Erpresserfoto-Qualitäten. Zum Beispiel die Erinnerungsfotos von der letzten Weihnachtsfeier, auf der Sie nach einem knappen Liter Glühwein einen transsexuellen Weihnachtsmann in Strapsen gespielt und »White Christmas« als Karaokeversion dargeboten haben. Oder die Bilder vom FKK-Urlaub letzten Sommer. Bestimmt fallen Ihnen noch ein paar Beispiele ein.

Nicht ganz so schräg, aber deshalb noch lange nicht weniger peinlich sind Reisepassfotos aus dem Automaten, auf denen Sie soviel sinnliche Ausstrahlung wie ein Leitzordner haben. In einer Singlebörse sind diese als Profilfotos nur dann geeignet, wenn Sie nach extrem konservativen Kontakten suchen und keine persönliche Note von sich zeigen möchten.

Das mit der persönlichen Note lässt sich allerdings auch ins andere Extrem übertreiben. Stichwort Sex: Ganzkörper-Aktfotos können (können!) als Kontaktbeschleuniger wirken, wenn sie künstlerisch fotografiert sind und Sie einen entsprechend wohlgeformten Körper besitzen. Wenn das Bild nur ansatzweise nach Schmuddelambiente aussieht oder Sie darauf unvorteilhaft wirken, dann verzichten Sie auf diese Portion Exhibitionismus und zeigen Sie sich lieber angezogen.

Ein weiteres Don't sind Gruppenfotos. Noch dazu, wenn darauf Ex-Partner(innen) oder Familienangehörige zu sehen sind. Was sollen die Besucher Ihres Profils denken? Dass es Sie nur als Minigruppe gibt und Sie bei einem ersten Date die halbe Verwandtschaft mitbringen? 

Der erste Eindruck ist nicht wiederholbar

So, nun haben Sie sich ausführliche Gedanken über Ihr eigenes Profilbild gemacht. Bevor Sie Ihre Website bestücken, investieren Sie noch ein wenig Zeit und begeben Sie sich auf einen Inspirations-Streifzug in der Singlebörse Ihrer Wahl. Wie schaut's mit den Bildern der anderen Mitglieder aus? Wie finden Sie das, was Ihnen da so entgegenlächelt?

Wenn Sie sich andere Profile anschauen, werden Sie einiges von dem, was Sie gerade gelesen haben, in praktischer Anwendung finden. Hervorragende, gut inszenierte Portraits, sympathische Schnappschüsse und grottige Partybilder. Beobachten Sie sich selbst und achten Sie auf Ihre spontanen Reaktionen. Denken Sie nicht zuviel nach, sondern versuchen Sie, Ihren allerersten Eindruck bewusst wahrzunehmen, denn der bestimmt Ihr Grundgefühl gegenüber dieser Person. Genau so geht es später auch den Besuchern Ihres Profils!

Beispiel. Sie klicken auf das Profil eines Mannes und sehen ein Foto, auf dem er ein Hemd mit Krawatte und Jackett trägt, obwohl im Hintergrund die Sonne scheint. Sie denken spontan »viel zu zugeknöpft«. Trotzdem lesen Sie die Profilangaben. Und siehe da, in der Beschreibung finden Sie Hinweise darauf, dass diesem Mann ein gewisser Status wichtig ist und er diesen nach außen zeigen will. Ihre spontane Assoziation war zwar vage, aber im Kern richtig. Zugeknöpft im Sinne von statusbewusst und formell. Vermutlich kein wirklich sinnlicher Zeitgenosse.

Noch ein Beispiel. Sie besuchen das Profil einer jungen Frau und denken »oha, mit der Dame ist nicht zu spaßen«, weil ihr Blick irgendwie aggressiv wirkt. In der Beschreibung lesen Sie, dass sie als Brokerin arbeitet, sich aktiv gegen Tierversuche engagiert und außerdem Cart-Rennen fährt. Das, was Sie als Aggression geortet haben, war durchaus eine zentrale Eigenschaft ihres Wesens. Sowohl im Wertpapierhandel als auch beim Kampf gegen Tierversuche und auf der Cartbahn braucht's eine Portion Entschlossenheit und Energie. Allerdings auch viel Leidenschaft ...

Und ein drittes Beispiel: Das Profil eines Mannes gibt Einblicke in eine beeindruckende Vita. Geschäftsführer einer IT-Firma, beruflich erfolgreich, finanziell unabhängig, gesellschaftlich sozusagen auf der Sonnenseite. Doch das wissen Sie nur aus der Beschreibung. Auf dem Foto sehen Sie einen braungebrannten Mann in T-Shirt und Leinenhose, barfuß am Strand, eine Gitarre in der Hand, das Gesicht dem Meer zugewandt. Das erste Wort, das Ihnen in den Sinn kommt, ist »Freiheit«. Und wieder liegen Sie richtig: Der Mann ist zwar in einem konservativen Beruf tätig und verdient gut, hat es aber nicht nötig, seinen Status in Form teurer Kleidung oder eines Luxusautos im Hintergrund zu demonstrieren, sondern zeigt, wofür er sein Geld ausgibt, und was ihm wichtig ist: Sonne, Meer und Musik. Das Einzige, was ihm fehlt, scheint jemand zu sein mit dem er das teilen kann ...

Sie merken: Es macht Spaß, in Profilfotos zu »lesen«. Und damit es den Besuchern Ihres Profils ebenso ergeht, ist jetzt Ihre Kreativität gefragt!

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